Staat ehrt Gefallenen in St. Johannes

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Vor der Trauerfeier werden Jung und Schneiderhan zu einem persönlichen Gespräch mit den Angehörigen zusammentreffen und ihre Anteilnahme ausdrücken. In der evangelischen Kirche hat Pfarrer Stephan Günzler bereits des 21-jährigen Sergej Motz gedacht. Er ist der älteste Sohn der Familie. Am Samstag hatten die Soldaten des Afghanistan-Einsatzes ihren Kameraden in Kundus in einer bewegenden Zeremonie verabschiedet.

Danach brachte ein Luftwaffen-Airbus den Leichnam nach Deutschland zurück. Ein Ehrenspalier und die Klänge der Trommler und Bläser bildeten den würdevollen Rahmen, als Angehörige und eine Delegation der Deutsch-Französischen Brigade unter Führung von Brigadegeneral Andreas Berg und des Kommandeurs des Jägerbataillons 292 aus Donaueschingen, Frank Oberstleutnant Frank Lindstedt, den Leichnam auf dem militärischen Teil des Flughafens in Empfang nahmen. Mit dem Airbus wurden zudem vorsorglich acht leicht Verwundete der beiden Anschläge zur weiteren Behandlung nach Deutschland geflogen, um eine optimale medizinische Versorgung zu gewährleisten.

Bei Feuergefecht getötet

Der aus Bad Saulgau stammende Soldat, der seit März in Afghanistan eingesetzt war und im Juli hätte heimkehren sollen, war am vergangenen Mittwoch im Gefecht getötet worden. Parallel zum Besuch von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) war es in Afghanistan zu zwei Anschlägen auf Bundeswehreinheiten gekommen. Zunächst raste ein Selbstmordattentäter nahe Kundus in eine Patrouille. Dabei wurden fünf Soldaten verletzt. Wenige Stunden darauf geriet eine weitere Patrouille am anderen Ende der Stadt in einen Hinterhalt, aus dem sie zunächst entkam. Nur wenige Kilometer weiter war eine weitere Falle aufgebaut.

Der Panzer vom Typ "Fuchs" wurde vonn Taliban-Kämpfern mit Kalaschnikows, Scharfschützengewehren, Panzerfäusten und Granaten unter Feuer genommen. Bei dem minutenlangen Feuergefecht wurde der 21-jährige Hauptgefreite aus dem Jägerbataillon 292 aus Donaueschingen, der als Heckschütze am Maschinengewehr kämpfte, durch eine Granate getötet. Vier weitere Soldaten in dem Panzer wurden leicht verletzt.

"Neue Qualität der Bedrohung"

Vor diesem Hintergrund wird in der Bundeswehr von einer neuen Qualität der Bedrohung ausgegangen. Nach Einschätzung von Schneiderhan hat sich mit den jüngsten Angriffen die bisherige Taktik der radikal-islamischen Taliban geändert. Zum ersten Mal habe eine "Art militärischer Plan" von ihnen dahinter gesteckt, sagte er unmittelbar nach den Attentaten. Einen solchen von langer Hand geplanten Angriff aus dem Hinterhalt wie am Mittwochabend habe die Truppe am Hindukusch noch nicht erlebt. In den vergangenen Jahren waren die Taliban mit Sprengfallen oder Selbstmordattentätern gegen die Bundeswehr vorgegangen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte die jüngsten Anschläge. Sie sei in Gedanken bei den Familien des getöteten Soldaten und seiner verletzten Kameraden. "Dennoch wäre es falsch, uns der Aufgabe zu entziehen, die wir mit der internationalen Gemeinschaft in Afghanistan übernommen haben", unterstrich die Kanzlerin.

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