Uli Boettcher gründet ein eigenes Theater

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RAVENSBURG - Das Theater Ravensburg bekommt Konkurrenz: Der Schauspieler und Kabarettist Uli Boettcher und seine Frau Salka wollen ein eigenes Theater gründen. Albert Bauer, Leiter des Theaters Ravensburg, sieht das allerdings "relativ gelassen". Erst im Januar gab es zwischen Boettcher und Bauer einen heftigen Streit.

Hintergrund des Streits waren Äußerungen des 42-jährigen Schauspielers in dem Porträtbuch "Profile Ravensburg". Sogar Boettchers Rauswuf aus dem Spielbetrieb des Theaters Ravensburg stand offenbar zur Debatte, weshalb auch eine außerderordentliche Mitgliederversammlung angedacht war. Nachdem der Streit öffentlich wurde, beteuerten sowohl Albert Bauer als auch Uli Boettcher, dass der Streit beigelegt sei und dass es immer nur um das Wohl und die Zukunft des Theaters gegangen sei, die man gemeinsam gestalten wolle.

Nun geht der Schauspieler doch seinen eigenen Weg. Die Boettchers planen den Abriss eines großen Holzschuppens auf ihrem Grundstück im Weiler Hof bei Baienfurt und dort den Neubau eines "Hoftheaters" mit bis zu 120 Plätzen. Ihr Programm: Kabarett und Comédy, Kleinkunst also. Hof liegt an der Straße Weingarten-Mochenwangen. Hier, im Geburtshaus des Vaters, ist Uli Boettcher aufgewachsen. Hier lebt er mit seiner Frau Salka und den zwei Kindern seit langen Jahren. Die Eltern wohnen in einem Neubau gleich nebenan.

Als Schauspieler und vor allem Kabarettist ist Boettcher Autodidakt. Er hat sich dank eines großen Talents sein Können selbst beigebracht. Nach dem Gymnasium, das er vorzeitig verließ, macht er eine Malerlehre und spielte viel Straßentheater. 1991 kam er zum Theater Ravensburg, das 1987 gegründet wurde und seit 1996 in der Zeppelinstraße eigene, schöne Räume bespielt. Boettcher brillierte besonders als Kabarettist und im Fach Comédy, also in der Kleinkunst. Er inszenierte auch eigene Stücke wie etwa "Romeo und Julia auf dem Lande". Uli Boettcher versteht sich aber auch aufs klassische Fach, was er regelmäßig bei den Weingartener Klosterfestspielen unter Beweis stellte, so im "Jedermann", im "Nathan" und im "Sommernachtstraum", allesamt Rollen, die ihm viel Beifall einbrachten.

Positive Resonanz

"Wir erfüllen uns mit dem eigenen Theater einen langgehegten Traum", sagen die Boettchers. Rein baulich dürfte es keine Probleme geben. Der Baienfurter Technische Ausschuss hat eine Bauvoranfrage bereits einstimmig positiv beschieden, das Landratsamt, die Genehmigungsbehörde, signalisierte gleichfalls Zustimmung. Vergangenen Samstag informierten Uli und Salka Boettcher ihre Nachbarn im Hof und vernahmen nur positive Resonanz.

Vieles sei noch nicht ausgegoren, vor allem die Finanzierung noch nicht endgültig geklärt, sagen die Boettchers. Sie hoffen auch auf Sponsoren. Was ist geplant? Anstelle des großen Holzschopfs links der Straße Richtung Mochenwangen - er diente einst als Brennerei und Schweinestall - soll ein Neubau entstehen mit bis zu 120 Plätzen an Tischen, einer Bühne und Nebenräumen, dazu eine kleine Empore und eine Terrasse, keine Gastronomie, nur Bewirtung während des Theaters. Acht auf 20 Meter - das sollen die Außenmaße des Neubaus sein.

Ein Name ist auch schon gefunden: Hoftheater. Er bot sich geradezu an. Klassisches Theater sei nicht geplant. Schwerpunkt werde Kabarett und Comédy sein. Uli Boettcher und seine Frau, die als Fotografin arbeitet und in der "Manufaktur" in Baienfurt auch eine Theatergruppe mit Behinderten betreut, wollen zudem Theater mit und für Jugendliche anbieten. Es gebe viele Ideen - Festivals auf der Streuobstwiese, Aktionen, auch mal Amateurtheatertage. Vieles sei noch nicht ausgegoren. Zunächst müsse der Finanzierung geklärt werden.

Kooperationen sind angestrebt

Eine Konkurrenz zum Theater Ravensburg, in dem und mit dem er so oft aufgetreten ist, will Boettcher nicht aufbauen. "Wir sind der Meinung, dass das Schussental noch ein Theater verträgt", sagt er. "Wir streben Kooperationen an, den Aufbau eines Netzwerks, wir wollen auch gemeinsame Inszenierungen." Alle, die im Schussental professionell in Kleinkunst machen, sollten sich an einen Tisch setzen und ihre Programme miteinander abstimmen.

Er hoffe, mit dem Bau des "Hoftheaters" noch in diesem Jahr beginnen zu können, wenn die Finanzierung gesichert sei. Man wolle eher klein anfangen und plane zunächst außer den eigenen Auftritten keine Inszenierungen.

Albert Bauer, Leiter des Theaters Ravensburg seit seiner Gründung 1987, sieht einem weiteren Theater im Schussental mit Gelassenheit entgegen. Er kündigt gleichzeitig ein neues Konzept für sein Theater an. Mehr Schauspiel.

"Das war schon lange sein Traum"

Bauer kannte Uli Boettchers Pläne schon seit einiger Zeit. "Ein eigenes Theater - das war schon lange sein Traum." Wenn eine solche Einrichtung hinzukomme, könne man nicht sagen, das sei keine Konkurrenz, formuliert Bauer etwas verklausuliert. "Ich lehne mich aber relativ gelassen zurück, weil nicht klar ist, wann das neue Theater kommt und wie sein Programm genau aussieht", kommentiert Albert Bauer.

Der Ravensburger Theaterleiter kündigt eine neue programmatische Ausrichtung des Theaters an, eher in Richtung Schauspiel und weniger in Richtung Kabarett und Comédy, auch wenn diese immer ausverkauft seien. "Eher Schauspiel, und das mit neuen Schauspielern" - so beschreibt Bauer das Konzept. Ende September werde man die Saison mit einer Co-Produktion mit dem Kammertheater Karlsruhe eröffnen. Das Publikum könne sich auf viel Neues freuen. Genaueres will er erst in einigen Wochen in einer Pressekonferenz verraten. Der neue Weg des Theaters werde vor allem auf Co-Produktionen mit anderen Theatern basieren.

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