Kloster prägt Dorf und Landschaft

Lesedauer: 4 Min

HEILIGKREUZTAL - Heiligkreuztal ist eine der Teilgemeinden Altheims. Mit dem Namen Heiligkreuztal werden Münster, Kloster und Stefanusgemeinschaft verbunden. 780 Jahre Ortsgeschichte kennzeichnen das Dorf.

Die Markung Heiligkreuztal mit der Staatsdomäne Dollhof umfasst 1209 Hektar, davon 903 Hektar Wald und liegt im flachen Tal des Soppenbachs. Prägend sind neben der Weiheranlage das ehemalige Kloster sowie die vorgeschichtlichen Zeugnisse mit Viereck-schanzen und Grabhügeln. Der bekannteste ist das "Hohmichele" als größter Grabhügel Mitteleuropas aus der Zeit der Kelten. Vor der auf 1227 angesetzten Klostergründung befand sich am Soppenbach wohl ein Sitz der Ritter von Wasserschaff.

Schwestern, die in Altheim lebten, kauften um 21 Mark Silber ein Gut in Wasserschapfen und wurden 1233 in dem Ort, der erstmals als "valle sancte crucis" = Heiligkreuztal urkundlich erwähnt wird, in den Zisterzienserorden aufgenommen. Das Kloster war nicht reich, befand sich jedoch in gutem finanziellem Zustand und nahm einen raschen Aufschwung, was sich in der Erstellung umfangreicher Bauten niederschlug.

Die Veronika-von-Rietheim-Straße erinnert an eine der bedeutendsten Äbtissinnen des Klosters. Nach 1800 wurde Württemberg Eigentümer der Anlage, 1843 verließen die letzten Frauen das Kloster. 1972 erwarb die Stefanusgemeinschaft das Kloster, betrieb erfolgreich den Wiederaufbau und ist mit Namen wie Alfred Lange und Alfons Bacher untrennbar verbunden.

Die in der katholischen Kirche verwurzelte Gemeinschaft mit den Patronen Stefanus und Klaus von Flüe versteht sich als für jedermann offene Bildungsgemeinschaft. Sie unterhält die Klosteranlage als Bildungshaus mit Schwerpunkten wie Glauben, Wissen, Reden und Freundschaft. Prägend sind der gotische Kreuzgang mit Kapitelsaal und Refektorien, in denen klösterliches Leben noch spürbar ist, wie auch die spätromanische Bruderkirche unter dem Nonnenchor in dem auch evangelische Gottesdienste stattfinden und das hochaufragende Äbtissinnengebäude.

Kultur und Wallfahrtsort

Das Geistliche Zentrum verbindet die Kultur der Zisterzienserinnen als "schola caritatis" mit Wallfahrten zum heiligen Josef oder zu Christus im Kerker aus dem Jahr 1726. Er steht im Seitenschiff des hochgotischen Münsters mit seinen bunten Chorfenstern von 1312 und der bedeutenden "Christus-Johannes-Minne".

Das St. Anna-Münster zählt zu den schönsten noch erhaltenen zisterzienserischen Kirchenbauten Süddeutschlands und wird wegen seiner besonderen Akustik nicht nur vom Kirchenchor als dem wohl ältesten Verein Heiligkreuztals geschätzt. Die weltumspannende Ausstrahlung des Klosters zeigt sich auch in den Ausstellungen mit Tonfiguren von Raul Castro aus Peru und den Holzschnitten von Schwester Maria Sigmunda May im ehemaligen Kornhaus. Als Naherholungsgebiete empfehlen sich der weitläufige Heiligkreuztaler Wald, die Weiheranlagen und das Tal des Soppenbachs, der unlängst von der Gemeinde einer grundlegenden Renaturierung unterzogen wurde.

Kommentare werden geladen