Das Rätsel um "ällbott" und "Gsälz" ist gelöst

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Rund 75 Zuhörer sind gekommen, um Hermann Wax mit dem Vortrag "Ällbott Gratzede mit Gsälz" zu hören. So freute sich Anja Hermle, Leiterin der Volkshochschule (Vhs) Aulendorf, den Autor der "Etymologie des Schwäbischen", im voll besetzten Marmorsaal begrüßen zu dürfen. Die Vhs hatte mit der Gästeinformation Aulendorf dazu eingeladen.

Es wurde deutlich, dass Hermann Wax sein Leben lang die schwäbische Sprache wissenschaftlich erforscht hat: Er betrieb Feldforschung, hat also die Menschen gefragt und (ur-)schwäbische Wörter gesammelt und diese linguistisch untersucht.

Im Mittelalter sei der Bussen geographisch das Zentrum Europas gewesen, und durch die Handelsstraßen von Sizilien bis Skandinavien und von Westen nach Osten kamen Einflüsse von Fremdsprachen ins Schwäbische. Ein schönes Beispiel dafür ist die sizilianische "zibibo", die als "Zibebe" (schwäbisch für "Rosine") den Weg in unseren Sprachgebrauch gefunden hat. Viele Buchstaben sind im Laufe der Zeit weggelassen und/oder vertauscht worden - so haben die italienischen "Pasta" (Teigwaren) den gleichen Wortstamm wie unsere "Spätzle", genauso wie die verschränkten Arme italienisch "bratscha" heißen; die Schwaben haben daraus ihre "Brezel" gemacht.

"Koin" statt "Kein"

Viele Erläuterungen bekamen die Zuhörer auch zum Thema Lautverschiebung. So wird zum Beispiel aus einem langen "ii" "ei", "ai", "oi", "oa" (gesprochen wie das französische "moi") eine französische Lautverschiebung, je näher man geographisch der französischen Grenze kommt. Im oberschwäbischen Raum kennt man viele solche Wörter, man sagt "koin" statt "kein", "Oi" statt "Ei" oder "Soif" statt "Seife".

Amüsant wurde der Abend, da Wax fast zu jedem Wort eine Anekdote erzählen konnte. Beeindruckt waren die Zuhörer auch durch sein immenses Hintergrundwissen. Er kann auch spontan die Herkunft der Wörter erklären und wissenschaftlich untermauern.

"Salz" steckt in "Gsälz"

Und wie war das mit "ällbott" und "Gsälz"? Das "Bot" kommt von Gebot, und früher haben die Zunftmeister ihren Handwerkern ein "Bot" erlassen und die Männer mussten kommen - was sie gerne taten, weil es auch etwas zu trinken gab. Allerdings ärgerten sich die Frauen gelegentlich darüber, weil dies öfter vorkam, also "äll bott" geschahÉ

In dem Wort "Gsälz" steckt das Wort "Salz", welches früher das wichtigste Mittel war, Lebensmittel zu konservieren. So entstand das Wort "Sulze", wodurch das "Gesälz" zunächst lediglich konserviertes Obst war, ohnehin war Zucker früher Mangelware. Erst später wurden dann Beeren mit Zucker eingemachtÉ Heftige Zustimmung erntete Wax schließlich dafür, dass "Gsälz" auch viel besser schmecke als Marmelade, da "Gsälz" eben selbst gemacht sei. (sz)

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