"Jahreszeiten" beinah meditativ interpretiert

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MARKDORF - Begeistert hat das Publikum am Samstagabend in Leimbach und gestern in Salem die musikalische Leistung der Musikfreunde Markdorf, unterstützt durch Dornier BSG Chor- und Instrumentalmusik sowie von drei Vokalsolisten, unter Leitung von Uli Vollmer gewürdigt. Zur Aufführung kam "Die Jahreszeiten" von Joseph Haydn.

Die fast dreistündige, konzertante Reise durch die Jahreszeiten beginnt in der Übergangszeit zwischen Winter und Frühjahr. Die Leinwand im Hintergrund zeigt einen aufgewühlten Bodensee. Die Bäume wiegen sich im Wind. In idyllischer Farbigkeit untermalen auch die folgenden gezeigten Naturmotive den musikalisch dargestellten Jahresverlauf bis zum finalen Amen.

Die empathischen Naturschilderungen, heiter-sanften Cavatinen und meditativen Arien der drei erfahrenen Solisten Anita Vozsech (Sopran), Jan Heinrich Kuschel (Tenor) und Hermann Locher (Bass) nehmen den Bilderreigen auf. Als Hanne, Jungbauer Lukas und Pächter Simon überzeugen sie durch sängerische Qualität und Vielfalt. Egal ob Simon sein Lied "Schon eilet froh der Ackermann" zur, vom Orchester liebevoll ausgeführten Melodie, zu Gehör bringt oder Lukas und Hanne sich im Duett die Liebe versprechen, die Frische und meditative Leichtigkeit der Darbietung lässt die Zuschauer völlig entspannen.

Der Chor der Musikfreunde Markdorf zusammen mit dem BSG-Chor schlüpft in die Rolle des Landvolks. Die 60 kraftvollen Stimmen setzen nicht nur rein optisch Akzente; zu jeder Jahreszeit passend variieren die Schals der Chordamen harmonisch zum festlichen Schwarz der übrigen Garderobe. Ihre Chorsätze, die fast immer in enger Verbindung zu den einzelnen oder allen drei Solostimmen stehen, erfordern ein hohes Maß an Konzentration und musikalischem Einsatz.

Dirigent wacht wie ein Vater

Ob liedhaft, wie bei der gesungenen Bitte um schnelle Ankunft des Frühlings ("Komm, holder Lenz") oder hymnisch, wie im feierlichen Lobgesang "Ewiger, mächtiger, gütiger Gott", die Chorgemeinschaft wird ihrer Aufgabe gerecht. Ihr mitreißendes "Juhe, Juhe, der Wein ist da" das Spinnerlied "Knurre, schnurre" oder ihr Jägerchor lassen das ländliche Schauspiel vor dem geistigen Auge der Zuhörer erstehen. Eindrucksvoll zieht ein mächtiges Sommergewitter vorbei, der Chorgesang schwillt an, bis im Terzett Soli und Chor vereint den ruhigen Abendfrieden ("Die düstren Wolken trennen sich") herbeisingen. In der finalen, imposanten Chorfuge "Uns leite deine Hand" vermittelt der Klangkörper Zuversicht bei aller Vergänglichkeit des Winters.

Das Orchester derweil bekräftigt den Gesang oder beschwört Stimmungen herauf. Mit langsamem Tempo, in Moll gehalten, bringen die Musiker von Dornier BSG Instrumentalmusik Nebel und damit den Winter in die Festhalle. Oder aber die Jagdszene, mit klanglicher Vielfalt vertonen sie die ganze Bandbreite des Jagens. Von Jagdgeräuschen bis zum Gewehrknall setzen sie die Szene tonmalerisch um.

Geführt werden sie dabei von Musikschulleiter Uli Vollmer, der für die gesamte Aufführung verantwortlich zeichnet. Fast wie ein Vater wacht der hochkonzentrierte Dirigent über alle Musiker. Er hat die 60 Chorsänger genauso im Blick wie Solisten und das Orchester.

Das Publikum zollt ihm und der Leistung aller Mitwirkenden durch Zwischenapplaus und nicht enden wollenden Beifall am Ende des Oratoriums großen Respekt. Die lebendige, beinah meditative Interpretation der Aufführung zum 200.Todesjahr von Joseph Haydn ist augenscheinlich gelungen.

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