Vieles in Wasserburg erinnert an Uli Wieland

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WASSERBURG - Eine Straße und ein Gedenkstein in Wasserburg-Reutenen halten die Erinnerung an ihn wach: Uli Wieland, Sohn einer Ulmer Fabrikantenfamilie, ist am 9. Juni 1934 bei einer Expedition auf den Nanga Parbat (Pakistan) gestorben. In der Gemeinde Wasserburg ist er unvergessen.

Sie haben sich nicht gekannt. Uli Wieland starb 1934, seine Nichte Veronika Eisenmann wurde 1941 geboren. Und doch gehört er zu ihrem Leben und dem ihrer Familie. Sonnengegerbte Haut, ein Hut mit Feder auf dem Kopf: So ist Uli Wieland auf einem Foto als Bergsteiger abgebildet. "Uli liebte die Berge", sagt Veronika Eisenmann über ihren Onkel. In Wasserburg sind sie nah. Die Berge und der See sind der Grund, warum ihr Großvater Philipp Wieland 1918 die weithin sichtbare Villa am Bodensee von dem sächsischen Vorbesitzer kaufte und für seine Familie zum Sommerhaus umbaute - die übrige Zeit lebt die Familie in Ulm.

Philipp Wieland hat mit seiner Frau Lydie Wieland sechs Kinder - zwei Töchter und vier Söhne. Das jüngste ist der 1902 geborene Uli. "Die ganze Familie liebte die Berge und hat viele Touren gemacht", sagt Veronika Eisenmann. "Noch heute ist in unserer Familie die Begeisterung dafür groß."

Uli blieb seinen Bergen treu - auch während des Studiums der Ingenieurswissenschaften in München. Er entwickelt seine Leidenschaft für die Berge weiter und knüpft Kontakte zu vielen anderen hervorragenden Bergsteigern. Der junge Mann ist Mitglied im Alpenverein, besteigt Berge in der Schweiz, in Österreich und in Italien. Nach dem Studienabschluss geht er in die USA, tritt nach seiner Rückkehr in das Familienunternehmen ein, die Wieland-Werke AG in Ulm, eine Metall-Halbzeug-Firma, die sein Großvater aus einer Glockengießerei entwickelt hatte.

Ein harter Schlag für die Familie

1930 nimmt Uli Wieland an einer internationalen Expedition zum Kangchenzönga im Himalaya teil: Am 8. Juni besteigt er mit seinen Kameraden den Jongsang Peak (7483 Meter), eine Besteigung des Kangchendzönga ist aufgrund der widrigen Witterung und des Schneesturms nicht möglich.

Vier Jahre später hat Uli Wieland kein Glück mehr, als er an der Deutschen Nanga-Parbat-Expedition teilnimmt. Deren Ziel: die Erstbesteigung des 8125 Meter hohen Nanga Parbat. Der junge Bergsteiger bleibt am 9. Juli 1934 vor Erschöpfung beim Abstieg im Schneesturm unterhalb des Silbersattels ziemlich weit oben sitzen und wird eingeschneit. Seither gilt er am "Schicksalsberg der Deutschen", wie der Nanga Parbat vor allem im Dritten Reich genannt wurde, als vermisst.

"Für die ganze Familie war es ein harter Schlag", sagt Veronika Eisenmann. "Der Jüngste ist ja meist besonders geliebt." Seine Eltern widmeten dem Sohn im Garten des Anwesens einen Gedenkstein.

Philipp Wieland ereilten weitere Schicksalsschläge: Seine Frau starb 1938, das Haus in Ulm wurde im März 1945 total zerstört. Die Villa am Bodensee beschlagnahmten zunächst die Franzosen, danach wurde sie mit Flüchtlingen belegt. Über den Sommer lebte Philipp Wieland bei Bauer Hanser. Als die Franzosen weg waren, wurden dem Unternehmer in seinem eigenen Haus zwei Zimmer zugestan-den. Dort blieb er, bis ihn seine Tochter 1946 in die Schweiz holten konnte. 1949 starb er am Thumer See.

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