Vorarlberger Pfarrer geht auf Harry Potter los

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BREGENZ - In Vorarlbergs Kirchen ist der Bär los. Nach der Stigmatisierung von Homosexualität als heilbare Krankheit durch Bischof Fischer hat jetzt der Montafoner Pfarrer Eberhard Amann in Tageszeitungen inseriert, dass Homoehen, Harry Potter und Abtreibungskliniken "bibelwidrig" sind.

Vorarlbergs Kirche kommt nicht zur Ruhe. Gerade hatte die Österreichische Bischofskonferenz ihren Hirtenbrief verlesen lassen, indem sie Kommunikationsprobleme als Auslöser der Irritationen um die zurückgenommene Bischofsweihe des oberösterreichischen Pfarrers Gerhard Wagner konzediert hatte. Und dann das: Kaum war der Rauch verzogen, preschte der in Vorarlberg als Leserbriefschreiber bekannte 79-jährige Pfarrer von St. Gallenkirch im Montafon, Eberhard Amann, vor.

In fetten Lettern aufgemacht, prangte in Vorarlberger Tageszeitungen ein von ihm in Auftrag gegebenes Inserat: "Jesus Christus: Ein Reich, das uneins ist, zerfällt". Dem erstaunten Leser wird im werblichen Umfeld von Babykostwärmer und Spielsachen Deftiges aufgetischt. Pfarrer Amann, dem sein Aufruf 2000 Euro wert gewesen war, verteidigt dort den Beinahe-Bischof Wagner. "Der vom Papst zum Hilfsbischof der Teilkirche Linz ernannte Pfarrer Wagner hatte recht", findet der aufsässige Vorarlberger Kirchenmann. Die Abtreibungskliniken in New Orleans und "anderswo", die Harry-Potter-Geschichten und die Verherrlichung der Homoehen seien bibelwidrig. In den Hurrikans und der Wirtschaftskrise sieht Amann eine Warnung bzw. Strafe Gottes.

Mail an den Papst

Der medialen Aufmerksamkeit sich sicher, breitete Pfarrer Amann in einem ORF-Interview seine Sicht der Dinge aus. Der von seinen Kritikern als homophob, menschenverachtend und realitätsfremd geziehene Pfarrer berichtet darin von einer Mail, die er an Papst Benedikt geschickt habe. Während dessen Antwort noch aussteht, bezeichnet Amann den Hirtenbrief der Bischöfe als "komisch und überflüssig", denn Kardinal Schönborn sei gar nicht für die Diözese Linz zuständig. Ihr Fett bekommen auch der frühere Vizekanzler Erhard Busek und Exklubobmann Andreas Khol (beide ÖV) ab. Diese hatten wegen des Priestermangels Frauenpriestertum und die Aufhebung des Zölibates gefordert. Für Amann ein Indiz dafür, dass die liberalen Kreise in der Kirche erstarkt seien und "protestantische Einflüsse"die Oberhand gewännen. Er halte sich an die Bibel und an das Konzil. "Bischöfe", sagte Amann dann der Austria Presse Agentur, "sind allein vom Papst und nicht von den Medien zu ernennen".

Amann hat auch einen Rat für Wien und Rom parat. Der von seiner Ernennung zurückgetretene Bischof Wagner könne ja auch still in Rom zum Bischof geweiht werden, rät Amann und spielt dabei auf sogenannte In-petto-Ernennungen des Papstes an. Dieser kann einen Würdenträger auch heimlich ernennen. Beispiele dafür führt Pfarrer Amann in seinem Inserat an und verweist auf den in der Tito-Aera heimlich zum Kardinal gewählten Bischof Stepinak.

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