In Arnach verschmelzen Schule und Kindergarten

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ARNACH - In der Gemeinderatssitzung am Montag ist das Bildungshaus in Arnach anhand eines Dokumentarfilms vorgestellt worden. Die SZ hat vorab mit Projektleiterin Irene Brauchle, dem Direktor der Grundschule Arnach, André Radke, und Martina Fischer, Erzieherin im Kindergarten Arnach, getroffen und über das Konzept des Bildungshauses gesprochen.

Kindergarten und Schule sind eigentlich zwei getrennte Welten. Hier wird gespielt, dort gelernt. Von einem Tag auf den anderen beginnt für die Kindergartenkinder dann der Ernst des Lebens. Aus Spielkindern werden Schulkinder, und die müssen von heute auf morgen lernen, still zu sitzen und zuzuhören. Frontalunterricht ist in den Schulen nach wie vor die übliche Unterrichtsform, und das bedeutet Lernen im Gleichschritt.

Aber die Zeiten ändern sich. In Arnach sind die starren Strukturen zwischen den beiden Institutionen Kindergarten und Schule mit "KeiM" (Kinder entwickeln sich im Miteinander), einem Modell des Projekts "Bildungshaus 3-10", aufgebrochen worden. Kindergarten und Grundschule sind seit dem Schuljahr 2006/2007 eng miteinander vernetzt. Damit ist Arnach einer von 33 Modellstandorten in Baden-Württemberg.

Förderung verbessern

"Kinder im Alter von drei bis zehn Jahren sollen früher und stärker beim Lernen gefördert und unterstützt werden", so Irene Brauchle zum Konzept der Bildungshäuser. Die ehemalige baden-württembergische Kultusministerin und heutige Ministerin für Bildung und Forschung, Anette Schavan, hatte das Konzept auf den Weg gebracht. Arnach eignet sich als Modellort sehr gut, da Kindergarten und Grundschule räumlich nahe beieinander liegen.

Seit Arnach Modellort ist, hat sich der Alltag in Schule und Kindergarten verändert. Nach der großen Pause mischen sich die Kinder der ersten bis dritten Klassen mit den Kindergartenkindern. "Wir bieten den Kindern in dieser zweiten Tageshälfte verschiedene Themenwerkstätten an, an denen Kindergarten- und Schulkinder zusammen teilnehmen", erklärt André Radke, was sich inhaltlich hinter dem Namen "Bildungshaus 3-10" verbirgt. Aus den verschiedenen Angeboten, wie der freien Stillarbeit oder musischen Themenwerkstätten, können die Kindergarten- und Grundschulkinder frei wählen.

"Die Themenwerkstätten sind so aufgebaut, dass jedes Kind an seinen Wissensstand anknüpfen kann", sagt Erzieherin Martina Fischer. "Die kleineren Kinder nehmen sich die Großen zum Vorbild und trauen sich dadurch häufig mehr zu. Die älteren Kinder lernen während der gemeinsamen Spiel- und Lernzeiten auf die Jüngeren Rücksicht zu nehmen", berichtet Schulleiter Radke von seinen Erfahrungen. "Das Lernen in altersgemischten Gruppen ist die natürliche Art zu lernen.

Durch die verschiedenen Wahlangebote dürfen Grundschulkinder auch mal wieder Spielkinder sein und Fünf- oder Sechsjährige, die sich im Kindergarten langweilen, erhalten früher die Möglichkeit mit schulischen Inhalten in Berührung zu kommen. Für die Kindergartenkinder hat das Bildungshaus den weiteren Vorteil, dass sie Schule, Lehrer und Räumlichkeiten schon kennen, bevor sie eingeschult werden.

Das Miteinander von Kindergarten- und Grundschulkindern erfordert auch eine enge Zusammenarbeit zwischen Erzieherinnen und Lehrern. Wissenschaftlich begleitet wird der Modellstandort vom Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen (ZNL) Ulm. Vorrangiges Ziel des ZNL ist es, die pädagogischen Fachkräfte vor Ort zu unterstützen und zu erforschen, ob und inwieweit Kinder und pädagogische Fachkräfte davon profitieren.

Schulleiter André Radke ist von der positiven Auswirkung des Bildungshauses auf die Entwicklung der Kinder schon jetzt überzeugt. "Was ich aus meinen persönlichen Beobachtungen sagen kann ist, dass die Kinder mehr Subjekt ihres Lernprozesses geworden sind". Ab dem nächsten Schuljahr wird die gesamte Grundschule in das Bildungshaus integriert werden. Dann werden auch die Arnacher Viertklässler im Miteinander lernen.

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