Tannheim kämpft um den Erhalt seines Bahnhofs

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TANNHEIM/MEMMINGEN - Die Bahn-Diskussion mit der Forderung aus Memmingen und Buxheim nach einer neuen Trasse unter Aussparen des "Tannheimer Bogens" nimmt Fahrt auf. Gegen den nicht abgestimmten neuen Trassenvorschlag im Zuge der geplanten Elektrifizierung wehren sich die Gemeinden Tannheim und Aitrach.

Hohe Brisanz für die Gemeinden Tannheim und Aitrach bergen die nicht abgesprochenen Vorschläge der bayerischen ÖDP, von Bürgern aus Buxheim und zuletzt, wie gestern berichtet, von Memmingens Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger mit den Wünschen nach einer neuen Trasse für die Strecke Memmingen-Aichstetten.

"Was ist das für ein Stil, einfach in den Nachbarkommunen über die Abschaffung des Aitracher und Tannheimer Bahnanschlusses zu beraten, Beschlüsse zu fassen und Anträge zu stellen, ohne zuvor mit den betroffenen Gemeinden zu sprechen?" zeigt sich Thomas Wonhas verwundert. Er baut aber weiterhin auf ein Miteinander aller Anliegergemeinden.

"Wir brauchen Informationen"

Bereits Ende Januar habe er sich an die DB Netz AG gewandt mit der Bitte um Informationen zum gesamten Themenkomplex, betont Thomas Wonhas im gestrigen SZ-Gespräch. "Dankbar bin ich, dass Oberbürgermeister Dr. Holzinger mit demselben Ziel hierzu aktiv geworden ist und zu einer gemeinsamen Besprechung aller betroffenen Kommunalpolitiker am 23. April nach Memmingen geladen hat".

Doch zuvor wolle sein Aitracher Kollege Thomas Kellenberger und er das Gespräch mit der Memminger und Buxheimer Rathausspitze suchen. Das Ziel: "Wir wollen die vorhandene, intakte Infrastruktur weiter für den grenzüberschreitenden Nahverkehr in harmonischer Nachbarschaft nutzen."

Bahnhof ist ein Standortfaktor

Thomas Wonhas verweist auf den Tannheimer Bahnanschluss als wichtigen Standortfaktor seiner Gemeinde. Der Bahnhof Tannheim ist bekanntlich der einzige im östlichen Teil des Landkreises am Rande des Gewerbegebiets und hat dadurch auch für die Nachbargemeinden Berkheim und Rot an der Rot Bedeutung. Zudem arbeiten laut Thomas Wonhas 61 Prozent der Auspendler in Bayern, überwiegend im Bereich Memmingen.

Zwar seien Überlegungen für eine Neutrassierung von Memmingen nach Aichstetten, mit dem Ziel, den Güterverkehr aus den Wohngegenden zu bekommen, nach Thomas Wonhas zwar nachvollziehbar. Es müsse deshalb noch lange nicht der Tannheimer Bogen abgeschafft werden. Für den Güterverkehr könne eine einspurige Strecke genutzt werden.

Die Bahn stehe vor der Mammutaufgabe, bis zum Jahr 2015 die gesamte Strecke von Memmingen bis Lindau für die Elektrifizierung zu ertüchtigen. Hierbei auch eine neue Trasse in Angriff zu nehmen, scheint Wonhas nach Informationen der Bahn organisatorisch wie finanziell schlichtweg nicht möglich.

Zu bedenken gibt Thomas Wonhas weiter: Erst nachdem die Bahn, im vergangenen Mai den Erhalt des Tannheimer Bahnhofs langfristig zugesichert habe und Dr. Frank Ludwig namens der Deutschen Bahn Netz AG sich für die Ertüchtigung der Strecke über Tannheim ausgesprochen hat, erklärte sich der Tannheimer Gemeinderat bereit, im Teilort Kronwinkel Gelder für die Anschaffung einer Halbschranke zur Verfügung zu stellen.

Mittlerweile habe sich Dr. Klaus Rüßmann von den Freien Wählern aus Buxheim bei ihm gemeldet. "Kernpunkt unseres guten Gesprächs war, dass wir alle von der Bahn noch Informationen brauchen", betont Bürgermeister Thomas Wonhas.

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