Ein kleiner Narrensprung macht großen Spaß

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SCHLIER-ERBISREUTE - Während die großen Narrentreffen in Kisslegg und Oberzell am Wochenende tausende von Besuchern anlockten, ging es im kleinen Weiler Erbisreute in der Gemeinde Schlier bei der Dorffasnet eher beschaulich zu. Beim Narrensprung und Narrenbaumsetzen war die Stimmung trotzdem bestens und viele große und kleine "Mäschkerle" hatten eine Menge Spaß.

Der Winter ist über Nacht zurückgekehrt. Der Altdorfer Wald ist tief verschneit und kein Vogel ist zu hören. Aber nur ein paar Meter vom Waldrand entfernt, kurz vor dem Fuchsenloch, geht es ordentlich heiß her. Der kleine Weiler Erbisreute feiert Fasnet. Mit Umzug, Narrenbaumstellen und allem, was auch bei großen Fasnetszünften dazugehört.

Jede dritte Garage steht offen und aus den Schuppen der Bauernhöfe dröhnt die Musik. Die Vorbereitungen für den Narrensprung sind in vollem Gange. Sieben Nachbarzünfte aus Bodnegg, Vogt, Leupolz, Waldburg, Wolfegg, Ankenreute und Eintürnen sind der Einladung der Erbisreuter Dorfnarren gefolgt und feiern mit fünf befreundeten Fanfarenzügen und Lumpenkapellen, was das Zeug hält. Klein, persönlich und überschaubau, jeder kennt jeden und alle lassen die fünfte Jahreszeit fröhlich hochleben. "Wir haben einen guten Zulauf, und ich bin stolz auf den Ort", sagt Zunftmeister Ingo Heudorfer. "Alle machen mit und es macht richtig Spaß", ergänzt er.

Schon morgens sind vier Frauen in Erbisreute als Fasnetslader unterwegs. Sie klingeln an jeder Haustüre und laden die Bewohner zum lustigen Treiben ein. Früher hat das der Dorfbüttel übernommen, denn die Fasnet wird in Erbisreute schon seit vielen Jahren gefeiert. Lange bevor ein Verein gegründet wurde, zogen schon Gruppen von Erwachsenen und Kindern, in fantasievolle "Häser" gekleidet durch die wenigen Dorfstraßen und feierten ausgelassen in ihrem dorfeigenen "Gasthaus Germania".

"Riabaweible" ist die Jüngste

Auch ein Narrenbaum gehörte schon dazu. Seit Anfang der 70er-Jahre steht er immer am selben Platz an der Kreuzung mitten in Erbisreute. Uwe Molchert, Wolfgang Appenmaier und Hermann Maucher beschlossen im Jahr 1976, den Verein der "Erbisreuter Dorfnarren" zu gründen. Das "Riabaweible" erblickt das Licht der Fasnet aber erst im Jahr 2002, und seit dieser Zeit erschallt ihr Narrenruf "Sackra Lappa - Riaba Hacka".

Pünktlich zum 30-jährigen Bestehen im Jahr 2006 erhält das "Riabaweible" Gesellschaft von der "Runkelriab". Nicht schwer nachzuvollziehen, warum diese Figuren hierher gehören. "Jeder Landwirt hat hier früher Rüben angebaut", erklärt Ingo Heudorfer, "da gehörten die Frauen, die das Unkraut zwischen den Rüben gehackt haben, zum Dorfbild".

Mehr als 100 davon sind jetzt als Figur des "Riabaweible" und "Runkelriaba" aktiv im Verein, der inzwischen schon 130 Mitglieder zählt. Der Narrensprung, der sich pünktlich um 13.33 Uhr in Bewegung setzt, ist mit nur etwa 300 Metern Umzugsweg mit Sicherheit einer der kleinsten im Landkreis Ravensburg. In 20 Minuten ist er vorbei, und nach einer weiteren halben Stunde steht auch der Narrenbaum, professionell von den Zimmerleuten aufgestellt. "Klein aber fein", sagen sich die Erbisreuter und feiern ihre Fasnet im extra aufgestellten Festzelt in genauso prächtiger Stimmung wie in den großen Fasnetshochburgen.

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