Die ländliche Ruhe beflügelt Willi Siber

Lesedauer: 5 Min

EBERHARDZELL - "Hier kann ich in Ruhe arbeiten", sagt der international erfolgreiche Künstler Willi Siber über seine Heimat, das beschauliche Dietenwengen. Nach 36 Jahren in der Großstadt ist er zurückgekommen, hat sich ein Atelier gebaut und versorgt von hier aus seine "hungrigen Galerien".

Von wegen unstetes Künstlerleben: Willi Siber steht um sechs Uhr auf, um 13 Uhr gibt's Mittagessen im Familienkreis, gegen 20 oder 21 Uhr macht er Feierabend. "Ich führe ein relativ bürgerliches Leben", sagt der 59-Jährige, der in der Fachwelt als Neuschöpfer gilt. Er arbeitet mit Holz und Harzen und ist bekannt für Holzobjekte und Raumprojekte. "Gute Kunst hat immer ein Restgeheimnis", so lautet seine Überzeugung.

Seit zehn Jahren lebt Siber wieder in Dietenwengen. Hier hatten der Pfarrer und sein Lehrer in den 1960er Jahren entschieden, "dass der Bub aufs Internat nach Bad Saulgau gehen soll". Der Gymnasiast Willi Siber interessierte sich für die Kunst - doch seine Noten in dem Fach waren schlecht. Als er eine Bewerbungsmappe für die Kunstakademie in Stuttgart gestaltete - "eine Trotzreaktion, ich kam aus dem Nichts" - wurde er prompt genommen. "Ich war immer ein Einzelkämpfer - und das hat sich bis heute bewährt", sagt der ehemalige Meisterschüler von Herbert Baumann.

36 Jahre lebte und arbeitete Willi Siber im Großraum Stuttgart, in Paris und Amsterdam, wurde ein erfolgreicher Künstler. Zur Rückkehr in die Heimat kam es, weil er sein Elternhaus erbte - doch war der Schritt auch wohlüberlegt. "Ich habe Galerien in den meisten Großstädten, deshalb ist es heute egal, wo ich arbeite", sagt Siber. "Und hier kann ich das in Ruhe tun."

Zudem ist es Siber und seiner Frau, der promovierten Kunsthistorikerin Stefanie Dathe, ein Anliegen, dass die Kinder - Tochter Maria Magdalena ist sieben, Sohn Moriz Maximilian zehn - auf dem Land aufwachsen. Hier in Dietenwengen, wo das Umfeld intakt und Werte noch wichtig sind, "es aber auch große Freiräume gibt", sollen die Kinder zu gefestigten Persönlichkeiten heranreifen.

Sich selbst hat Siber ein Atelier gebaut, mit Bildhauerwerkstatt, einem Atelier fürs Malen sowie einer "Denkwerkstatt" mit separatem Eingang für die Atelierkatze "Tiger". Auch die alte Schreinerei des Vaters ist integriert. Als dieser 1983 starb, "stand ich vor einem Haufen Holz", sagt Siber. Das sei der Startschuss für seine Holzkunstwerke gewesen, "als Schwabe wirft man ungern was weg." Der ehemalige Oberstudienrat ist der Auffassung, dass es in der Kunst "keiner riesigen Materialschlachten bedarf".

Lustige Kommentare gibt's

An den Eberhardzellern schätzt Siber, dass "sie mich in Ruhe arbeiten lassen und unaufgeregt mit mir umgehen - auch wenn sie schwer verstehen, was ich mache". Lustige Kommentare über seine Kunst ist er gewohnt, etwa von ehemaligen Klassenkameraden. So sei angesichts eines Wandobjekts aus Holz die Frage aufgekommen, ob das ein Vogelhäuschen sei. "Das nehme ich mit Humor", sagt Siber. Typisch schwäbisch sei, sagt er, dass man Kunst kaufe - es aber keiner wissen darf. Als "völlig unproblematisch" bezeichnet er das Zusammenleben im Dorf, in dem er Tischtennis im Verein spielt und gerne mal ein Bier trinkt.

Mehr Zeit bräuchte Siber, "um all das zu realisieren, was an Ideen in meinem Kopf herumspukt". Die Städtische Galerie Ravensburg bekommt im März eine große Schau mit seinen Werken. Und ab dem 12. September gibt's im Schloss Mochental die Geburtstagsausstellung "Siber und Freunde" - schließlich feiert der Künstler im Herbst seinen Sechzigsten. Er arbeitet immer parallel an zwölf bis 15 Arbeiten. Denn: "Meine Galerien sind hungrig".

Kommentare werden geladen