Ludwig-Walz-Straße erinnert an Vorbild

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RIEDLINGEN - Vergangenen Samstag hat die neue Straße, die die Grüninger Siedlung mit der Klinge verbindet, ihren Namen bekommen: Mit der "Ludwig-Walz-Straße" kehrt ein geschätzter Riedlinger in das Bewusstsein der Bürger zurück und erinnert künftige Generationen an dessen beeindruckendes Lebenswerk.

Die Tochter des 1989 im Alter von 91 Jahren verstorbenen ehrenamtlichen Bürgermeisters Ludwig Walz, Ruth Mussotter, enthüllte das Straßenschild. Danach zeichnete Bürgermeister Hans Petermann ein beeindruckendes Bild des Schaffens und Wirkens von Ludwig Walz. Petermann freute sich ganz besonders, die Tochter von Ludwig Walz, dessen Enkel und Urenkel zur Feierstunde im Rathaussaal begrüßen zu dürfen. Unter den Gästen würdigten der Ex-Landrat und Ehrenbürger der Stadt Riedlingen, Dr. Wilfried Steuer, sowie der Bundestagsabgeordnete Martin Gerster das Walz'sche Lebenswerk.

Walz habe sich stets für die Schwachen, darunter auch für Menschen mit Behinderungen, eingesetzt. Er hätte sich sicherlich über den begabten jungen Mann namens Matthias Giehr gefreut, der gemeinsam mit dem Leiter der Jugendmusikschule, Reinhold Gruber, die Feierstunde musikalisch am Klavier gestaltete.

"Wir sind als Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt stolz, dass er unter uns lebte, auf das, was er für uns und die Menschen in der damaligen Zeit geleistet hat. Mit dieser Namensgebung werden auch künftige Generationen immer wieder an diese große Persönlichkeit Ludwig Walz erinnert", sagte Petermann.

Vorschlag trifft auf einhelliges Ja

Museumsleiter Winfried Aßfalg hatte bei der CDU-Fraktion diesen Namen für die Verbindungsstraße vorgeschlagen, der Gemeinderat fand diesen Vorschlag einstimmig passend.

Das Miteinander zu fördern, Gegensätze abzubauen, dies sei ein vordringliches Anliegen des ehrenamtlichen Bürgermeisters gewesen. "Das möchten wir mit dieser Straße auch, die beiden größten Wohngebiete unserer Stadt, die Grüninger und die Altheimer Siedlung und das Wohngebiet Klinge direkt miteinander verbinden", äußerte Petermann und bezeichnete die neue Straße als "Beitrag zur Stadtgemeinschaft".

Petermann hatte sich viel Mühe gemacht, alles, was ihm an Aufzeichnungen dienlich war - unter anderem eine Rede zum 90. Geburtstag von Ludwig Walz, damals verfasst von Oberstudiendirektor Michael Schmid - zu einem beeindruckenden "Lebensmosaik" zusammenzusetzen. Zu Walz' herausragenden Verdiensten zählt wohl die Gründung des Stadtteils Eichenau, wo er nach dem Krieg Flüchtlingen aus dem ungarischen Szarazd eine Heimat ermöglichte.

Unter Einsatz seines Lebens versorgte er regelmäßig Juden in Buttenhausen mit Nahrung und Kleidung. Mut bewies er mit der ablehnenden Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus, er verweigerte das Tragen einer Uniform mit Hakenkreuz und ebenso den Eid auf einer Hakenkreuzfahne abzulegen - mit der Folge der Androhung von Gefängnis und Todesstrafe. Ein evangelischer Pfarrer rettete ihn im letzten Moment, Walz wurde aus dem Gefängnis entlassen, um erneut und gezwungenermaßen der Wehrmacht zu dienen.

Kaufmann und Bürgermeister

Der in Ulm geborene Kaufmann Ludwig Walz eröffnete im Jahr 1924 ein Bekleidungshaus für Männer und Knaben in Riedlingen. Von 1945 bis 1947 war Walz Gemeinderat, 1947 schenkte eine fast ausschließlich katholische Bevölkerung dem evangelischen Walz ihr Vertrauen und wählte ihn zum ehrenamtlichen Bürgermeister. Dieses Amt hatte er bis 1954 inne, sein Bekleidungsgeschäft in der Lange Straße führte er bis 1971.

Mit der Eichenau und der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde fühlte sich Walz stets verbunden. Er wählte die Eichenau zu seinem Domizil, seine Tochter lebt noch heute dort.

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