Heuberg entkam knapp Atomunfall

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Vor 32 Jahren sind die US-Truppen aus der ehemaligen Nato-Kaserne Böttingen abgezogen. Der Böttinger Heimatverein hat die Geschichte der Kaserne neu aufgearbeitet - und stieß dabei auch auf einen Unfall mit dem nuklearen Sprengkopf einer Pershing-Rakete. Im Kreisgebiet war das bis heute unbekannt.

Am 23. Januar 1959 berichtete der Heuberger Bote, dass das nordatlantische Verteidigungsbündnis Nato bei Böttingen Raketen stationieren wolle. Schon bald darauf begannen die Verhandlungen mit der Gemeinde und mit den Eigentümern der Grundstücke. Gastarbeiter errichteten in den Jahren 1962 und 1963 im Spaichinger Weg auf dem Grundstück der heutigen Firma Marquardt die Unterkunftsbaracken für die Streitkräfte.

Oberhalb der Dürbheimer Steige entstand auf Dürbheimer Gemarkung, auf dem Areal des heutigen FKK-Familiensportbunds Radolfzell, eine Abschussrampe für die Raketen und auf dem Böttinger Kochelsberg eine Feuerleitstelle mit Funk- und Radaranlagen.

Vom 23. März 1963 an waren die Anlagen von etwa 300 französischen Soldaten besetzt. Konventionelle Nike-Hercules Raketen wurden bei der Dürbheimer Steige stationiert. Nachdem die Franzosen am 23. Dezember 1966 abzogen, standen die militärischen Anlagen zunächst leer. Am 30. Oktober 1969 zogen US-amerikanische Truppen ein. Diese stationierten bei der "X-Area", wie die Amerikaner die Raketenfeuerstellung bei der Dürbheimer Steige nannten, Pershing II Raketen mit Atomsprengköpfen. Je drei Atomraketen waren rund um die Uhr abschussbereit.

Und genau dort, auf der Heuberger Abschussrampe, ereignete sich Berichten der Homepage von "Lebenshaus Schwäbische Alb" (www.lebenshaus-alb.de) und einer privaten Homepage (www.gerline.de) zufolge 1970 eine Beinahe-Katastrophe. Der Vorfall wird folgendermaßen geschildert: "22. Februar 1970: Während unsachgemäßer Wartungsarbeiten an dem nuklearen Sprengkopf einer Pershing-Rakete, die sich im QRA-Status befand, fiel dieser zu Boden. Der Abschussbereich wurde geräumt und die Stellung hermetisch abgeriegelt. Die befürchtete Detonation erfolgte jedoch nicht. Zuerst erhielt der Unfall den Status 'Broken Arrow' (Anmerkung: gebrochener Pfeil), wurde später jedoch in die Kategorie 'Bent Spear' (Anmerkung: gebogener Speer) eingeordnet". Von dem Vorfall erfuhr damals niemand etwas.

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