«Beinahe-Freispruch» für Nandrolon-Sünder

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Rom (dpa) - Mit einem höchst umstrittenen „Beinahe-Freispruch“ hat das Berufungsgericht des italienischen Fußballverbandes (FIGC) sechs Dopingsünder davon kommen lassen. Das Gericht in Rom verurteilte Edgar Davids (Juventus Turin), Fernando Couto (Lazio Rom) Stefano Torrisi (AC Parma), Nicola Caccia und Stefano Sacchetti (beide Piacenza) sowie Jean Francois Gillet (AS Bari) in letzter Instanz nur zu vier Monaten Sperre.

Damit reduzierte Richter Cesare Martellino die ohnehin schon milden Sperren teilweise um mehr als die Hälfte. Das Reglement sieht 16 Monate Sperre vor. „Ein Doping-Freifahrtschein für alle“, titelte die „La Gazzetta dello Sport“ am Freitag.

Die Richter seien offenbar von „unbeabsichtigtem und geradezu zufälligem Doping“ ausgegangen, kommentierte das Blatt. Der Geschäftsführer des FC Perugia, Alessandro Gaucci, nannte das Urteil „skandalös“. Seine Spieler Christian Bucchi und Salvatore Monaco waren in diesem Jahr ebenfalls wegen Nandrolon-Dopings noch zu neun Monaten Sperre verurteilt worden. Der FC Perugia warf dem Gericht vor, mächtige Clubs wie Juventus Turin, den AC Parma und Lazio Rom zu bevorzugen. Perugia kündigte eine Klage vor einem Zivilgericht an.

Rekordmeister Juventus Turin kann den niederländischen Nationalspieler Davids nun schon wieder ab 17. September einsetzen. Torrisi steht dem AC Parma wieder ab 14. Oktober zur Verfügung. Lazio Roms portugiesischer Nationalspieler Couto hat seine Strafe genauso wie Caccia, Sacchetti und Gillet bereits abgesessen und ist ab sofort wieder einsetzbar.

„Ich bin überglücklich“, freute sich Couto nach dem Urteil. Lazio- Präsident Sergio Cragnotti sieht die Unschuld seines Spielers und des Clubs anerkannt. Nicht ganz zufrieden mit dem Urteil war dagegen Davids. „Edgar wollte einen eindeutigen Freispruch“, sagte „Juve“- Anwalt Luigi Chiappero. Entscheidend aber sei, dass die Richter bestätigt hätten, dass Davids nicht absichtlich gedopt habe.

Die Verteidiger hatten die positive Nandrolon-Dopingprobe auf ein eigentlich zugelassenes homöopathisches Hustenmittel zurückgeführt. Wie Davids hatten auch alle anderen Verurteilten jegliches absichtliches Doping bestritten. Die Nandrolon-Spuren seien in zugelassenen Nahrungsergänzungsmitteln gewesen.

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