Passaus Polizeichef hat in Lindau gelernt

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"Entsetzen" ist das erste Wort, das man hört, wenn man Lindauer Polizisten auf das rechtsextremistische Messerattentat auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl anspricht. Entsetzen, weil es um einen Kollegen geht und jeder Polizeibeamte weiß, dass er einen gefährlichen Beruf hat. Entsetzen aber auch, weil zumindest einige ältere Kollegen Mannichl aus früheren Zeiten kennen. In den 80er Jahren war er einige Monate Leiter der damaligen Grenzpolizeistation Lindau-Autobahn.

Willi Böhm, Noch-Chef der PI Lindau, kennt Mannichl sogar noch erheblich besser. Beide haben in den 70er Jahren gemeinsam bei der Polizei angefangen und in Dachau ihren "Anstellungslehrgang" gemacht. Beide haben im mittleren Dienst als Hauptwachmeister angefangen und sich dann hochgearbeitet. Mannichl wechselte in den 80er Jahren in den höheren Dienst. Dabei ist es üblich, dass die Beamten für einige Monate die Leitung einer Dienststelle übernehmen - und das war bei Mannichl eben die Grenzpolizei Lindau-Autobahn, als der damalige Leiter Hermann Beer in den Ruhestand gegangen war, damals auch die Dienststelle von Willi Böhm. "Der Alois", sagt Böhm jetzt im Gespräch mit der LZ, "ist ein sehr ruhiger Kollege mit niederbayerischer Schlauheit". Die beiden haben sich seitdem nicht ganz aus den Augen verloren und haben bis heute das ein oder andere Telefonat geführt.

Auch Manfred Wydra, Chef der Lindauer Schleierfahndung, kennt Mannichl. "Vor zwei Jahren auf einem Schleierfahndertreffen in Passau", berichtet er, habe er ihn kennen und schätzen gelernt. Und fast zwangsläufig seien beide auch auf Mannichls Zeit in Lindau zu sprechen gekommen. Als er am Sonntag von dem Attentat gehört habe, sagt Wydra jetzt, sei er fassungslos gewesen.

Rechte haben Böhm bedroht

Neben dem persönlichen Kontakt verbinden den Passauer und die Lindauer Kollegen auch einige ähnliche Probleme. Die Nähe zur Grenze und die Rechtsextremisten. Böhm ist mit der harten Haltung Mannichls gegenüber den Rechten hundertprozentig einverstanden und verweist auf die Probleme, die es 1999 und 2000 in Lindau gegeben habe. Eine Lindauer Gaststätte wurde damals von einem Wirt geführt, der dem rechten Gedankengut gegenüber zumindest sehr offen war, weshalb sich die Kneipe innerhalb kurzer Zeit zu einem Rechtsextremistentreff mit einem riesigen Einzugsbereich entwickelt habe.

Die Rechten kamen aus dem gesamten oberschwäbischen Raum bis nach Ulm sowie aus Österreich. Böhm berichtet, dass die Lindauer Polizei die Lage damals durch zahllose Kontrollen in den Griff gekriegt habe. Mehrere Wochenenden lang sei die Inselzufahrt nächtelang kontrolliert worden und jeder Verdächtige habe sich ausweisen müssen. Wenn es Verdachtsmomente gab, sei er weder auf die Insel noch in die Kneipe gekommen. Einige hätten sogar (erfolglos) versucht, sich Perücken aufzusetzen, um so durch die Kontrollen zu kommen. Im Laufe dieser Aktion sei er - Böhm - dann auch mehrfach bedroht worden. Sowohl in anonymen Anrufe als auch persönlich.

Schließlich hätten die Rechtsextremen offenbar eingesehen, dass Lindau wegen der Kontrollen und möglicherweise auch wegen der Insellage und dem Nadelöhr Seebrücke, nicht der ideale Treffpunkt sei. Der Pächter habe aufgegeben und seitdem, so Böhm, "haben wir keine Probleme mehr mit Rechtsextremen".

Natürlich will Böhm die Situation in Lindau nicht mit der in Passau vergleichen. Passau ist größer, die rechte Szene in Niederbayern und in Oberösterreich ist erheblich gefährlicher. Aber die Situation in Lindau ist doch so, dass man die Probleme dort ermessen kann - und die bodenlose Dummheit und Grausamkeit des Attentats auf Alois Mannichl.

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