Lerandy-Anwalt Kirsch will 50 000 Euro Schadensersatz vom SCP

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FußballSZene regional

u Der Fall Mark Lerandy gegen den SC Pfullendorf (Aktenzeichen 3 ca 244/08) - und kein Ende. Zur Erinnerung: Der Spieler klagte im Sommer erstmals gegen die Rechtmäßigkeit einer einseitigen Option im Vertrag mit dem SCP, mittels derer der Verein den Kontrakt bis 2009 verlängert hatte. Lerandy wollte den SCP jedoch verlassen, um anderswo einen besser dotierten Vertrag zu unterschreiben. Nachdem zwei Gütetermine vor dem Arbeitsgericht in Sigmaringen zuletzt ergebnislos endeten, traf nun am Freitag das Arbeitsgericht Ulm eine Entscheidung: Der zuständige Richter gab dabei dem von Rechtsanwalt Dr. Andreas Kirsch vertretenen Kläger Mark Lerandy Recht, erklärte die Optionsklausel für ungültig. Damit ist Lerandy ab sofort ablösefrei. 10 000 Euro hatte Pfullendorf für den einst von Verbandsligist SV Linx zum SCP geholten Abwehrspieler deutsch-französischer Abstammung aufgerufen. Die Tragweite des Urteils wird von den Parteien nun ganz unterschiedlich eingeschätzt: Während Kirsch davon ausgeht, ein "ein zweites Bosman-Urteil" mit Folgen für optionsgebundene Spieler in ganz Fußball-Deutschland erwirkt zu haben, glaubt man auf Pfullendorfer Seite (vor Gericht war der Club vertreten durch Geschäftsführer Manfred Vobiller und Rechtsbeistand Christoph Frick) verstanden zu haben, dass sich das Ulmer Urteil lediglich auf den konkreten Fall SCP gegen Lerandy beziehe. Wie auch immer: Kirsch will den SC Pfullendorf nun wie angekündigt auf Schadensersatz verklagen. Und das nicht zu knapp: "Die Höhe unserer Forderung leitet sich ab aus der Differenz zwischen dem besten Angebot, das Mark hätte annehmen können, wenn er ablösefrei gewesen wäre und dem Arbeitslosengeld, das er seither bekommen hat. 50 000 Euro kommen da bestimmt zusammen", so Kirsch, der bissig hinzufügt: "Hoffentlich hat Herr Krane so viel Geld übrig."

Beim SCP gibt man sich ob Kirschs Drohgebärden gelassen. Geschäftsführer Manfred Vobiller: "Das Arbeitsgericht hat im Sommer eine einstweilige Verfügung Kirschs abgewiesen, mit der dieser eine sofortige Freigabe Lerandys erwirken wollte. Es war also nicht unsere Schuld, dass der Spieler seither auf Eis lag." Ob der SCP das Urteil anficht und in Berufung geht, wollte Vobiller gestern nicht sagen. Es scheint aber ganz so, als sei das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch immer nicht gesprochen: Aktenzeichen 3 ca 244/08 - Fortsetzung folgt ...

u Patrick Hagg und Markus Knackmuß gehen gerne gemeinsame Wege. Der Abwehr- und der Mittelfeldspieler des SC Pfullendorf sind seit vielen Jahren eng befreundet. Prompt schossen sie am Samstag beim 5:0-Sieg gegen den SC Freiburg II ihre jeweils ersten Saisontore. Hagg traf zum 2:0, Knackmuß zum 4:0. Auch im privaten Bereich gibt's derzeit ganz enge Parallelen zwischen den Familien Knackmuß/Hagg: Knackmuß wird im Januar zum ersten Mal Papa, Hagg im Februar.

u Aufatmen beim Fußball-Landesligisten SV Denkingen. Der 2:1-Sieg beim SV Großschönach tat den Schwarz-Gelben doppelt gut: Erstens, weil das Team von Trainer Eugen Rothmund als Tabellenzehnter die Punkte zurzeit ganz besonders gut gebrauchen kann, zum anderen , weil man gegen den Lokalrivalen natürlich besonders gerne gewinnt. Diesmal ging es aber betont fair zu im Nachbarschaftsduell und am Ende führte sogar ein Geschenk des Gastgeber-Keepers Markus Laicher, der sich einen harmlosen Freistoß selbst über die Schulter ins Tor warf, dazu, dass Denkingen das traditionell "heißeste" aller Linzgau-Derbys einmal mehr für sich entscheiden konnte. "Der Sieg war recht glücklich", gab Rothmund nach der Partie unumwunden zu. Auf fremden Plätzen läuft's für die Denkinger in dieser Saison aber auch unheimlich gut. So stehen stolze zwölf Auswärtszähler drei mickrigen auf eigenem Platz geholten Punkten gegenüber. In den Vorjahren war der Fall meist andersherum gelagert. Aber Rothmund ist optimistisch, dass sich die Dinge in den kommenden Wochen wieder auf alten Standards einpendeln. Denn die personelle Situation hat sich zuletzt spürbar entspannt. So stand gegen die Schönacher auch Julian Semet nach überstandenem Ellenbogenbruch erstmals wieder auf dem Feld - viel früher als gedacht. Eigentlich hatte man in Denkingen damit gerechnet, dass Semet nach der Ende September erlittenen Blessur bis im Frühjahr nicht mehr zur Verfügung stehen würde. Zwei Heimspiele in Serie (gegen Radolfzell und Bad Dürrheim) stehen für die Denkinger jetzt auf dem Programm - gute Gelegenheit also, den Heimkomplex endlich abzustreifen.

u Dies wird Fußball-A-Kreisligist Spvgg. Konstanz-Allmannsdorf in dieser Saison aller Voraussicht nach nicht mehr gelingen. Auf der anderen Seeseite kämpfen Trainer Werner Schreiber und sein "Co." Horst Kasseckert nämlich einen fast aussichtslosen Kampf: Null Punkte stehen nach 13 Spieltagen auf der Habenseite, dazu nimmt das Torverhältnis von 4:110 (!) immer mehr apokalyptische Ausmaße an. Was läuft denn da bloß schief bei der Spvgg. ? So ziemlich alles: Vor der Saison war nach Querelen mit dem Vorstand fast die ganze Mannschaft gegangen. "Nur zwei Spieler blieben übrig", erinnert sich Schreiber, der längst bereut haben dürfte, dass er sich von Vorstand Wolfgang Lange trotzdem zur Teilnahme an den "Wiederbelebungsmaßnahmen" des Konstanzer Vorortclubs überreden ließ. Eine Mannschaft wurde zwar auf die Beine gestellt. "Doch davon sind gerade mal zwei oder drei Spieler Kreisliga A-tauglich", nimmt Schreiber längst kein Blatt mehr vor den Mund. "Wir hätten den Neustart besser in der Kreisliga B versucht", ist er heute ein ganzes Stück schlauer. Woche für Woche bekommt er mit seinem Team nun nämlich die "Hucke voll". Am Samstag kassierte Allmannsdorf gegen den FC Kluftern 13 Stück. Das hält doch kein Trainer auf Dauer aus, oder? Schreiber: "Nein. Ich wollte vor ein paar Wochen auch schon hinschmeißen. Aber Herr Lange hat uns gebeten zu bleiben. Wenn sich die Mannschaft jetzt aus dem Spielbetrieb Liga zurückzöge, würde der Verein nämlich den Sportplatz am Wasserwerk an andere Konstanzer Vereine verlieren, die händeringend nach einer Heimspielstätte suchen." Jetzt will Allmannsdorf unter Schreiber in der Winterpause einen letzten Rettungsversuch starten: "Wir wollen mindestens fünf oder sechs neue Spieler holen." Und wenn die Überredungskünste, die dazu notwendig sein werden, nicht ausreichen? Schreiber: "Dann ist hier leider endgültig Schluss." PS: Die Partie am Samstag gegen den SV Bermatingen hat Allmannsdorf bereits abgesagt: Grund: Spielermangel.

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