Geschichtswanderung mit Witz und Humor

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BEURON - Zwei exzellente Wanderführer machten die gemeinsame Wanderung der "Schwäbischen Zeitung" und des "Haus der Natur" für die Teilnehmer zu einem tollen Erlebnis. Franz Neher, ehemaliger Oberförster der Fürstlich Langensteinscher Forstverwaltung, führte die Wanderung von Beuron auf die Burg Wildenstein.

Von unserem Mitarbeiter Bernd Hermann

"Sind nicht die Berge, Wogen und Lüfte ein Teil von mir und meiner Seele, wie ich ein Teil von ihnen bin?" Diese Fragestellung Lord Byrons will dem Wanderer nicht aus dem Kopf auf der Aussichtsplattform des "Petersfelsens". Das Tal der jungen mäandernden Donau, oft beschrieben und doch jedesmal neu und grandios,lassen die Mitwanderer als einmaliges Erlebnis in sich aufgehen.

Der schweißtreibende, steile Anstieg von der Talgemeinde, die im Jahr 861 zum erstenmal erwähnt wird, in hochsommerlicher Hitze ist vergessen. Ein Blick nach Westen vom "Alpenblick" über das "Liebfrauental" hinüber auf das sagenumwobene Schlößchen "Bronnen".

Bereits an diesem Felssporn trat die Wanderung in das Anekdoten- und Erzählstadium ein. Die französischen Alpen, die nur zweimal im Jahr bei ganz klaren Wetter zwischen zwei Waldecken auftauchen - was schert sich der Zuhörer darum - wenn er die Gespenstergeschichten um die Reichsfrauenführerin Getrud Scholz-Klink hört und die Geschichte von "Bronnen" seine ganze Aufmerksamkeit erfordert?

"Im Jahr 1945 ist das Schloss, von den Franzosen beschlagnahmt, durch einen überhitzten Kamin ausgebrannt, nachdem es als zwielichtiges Etablishement herhalten musste!", weiß Franz Neher zu erzählen. Ungern trennt sich die Gesellschaft von dem Ausblick mit den schaurigen Erinnerungen und wandert über den in den 50er Jahren aufgelassenen Steighof, dessen Felder allesamt mit Fichtenkulturen aufgeforstet wurden, zu dem Petresfelsen.

Beim Ausblick auf die riesigen Gebäude des Wallfahrtsortes drunten im Tal wird die Geschichte Beurons vor den Augen der Wanderer lebendig. Die ersten Unterschlüpfe der Steinzeitmenschen, deren Relikte in den vielen Höhlen im Tal bis in heutige Zeiten künden, über die Franziskaner, bis zu den Benediktinermönchen der jetzigen Klausur.

Burg als Abenteuerspielplatz

Die Wanderer ziehen weiter, und mit ihnen die Geschichte: Der Verlauf der Grenze zwischen Hohenzollern und Baden wird durch einen dicken Grenzstein mitten im Wald verdeutlicht. Am Wegrand erkennt man einen nachgebauten Kohlenmeiler. Franz Neher und die Männer vom Schwäbischen Albverein aus Hausen haben diese Dokumentation in Eigenregie erstellt. "Bei einer Bestandsaufnahme dieser Kohlplattenstellen, an denen einstens Kohlenmeiler abgebrannt wurden, fand man allein in fürstlich-hohenzollerischen Wäldern 720 Stück", berichtet der Fachmann.

Nach der einzigartig schattigen Buchenallee liegt dann Burg Wildenstein im gleißenden Sonnenlicht. Und hier lässt der Wanderführer mit seinen Kindheitserinnerungen manches "Ah" und "Oh" der Zuhörer ertönen, war doch die Festung lange Zeit frei zugänglich und für die Buben aus Hausen und den umliegenden Orten ein unwiderstehlicher Abenteuerspielplatz. Der begann bei dem Geheimgang unterhalb der Kapelle, der nach Aussage von Franz Neher zu damaliger Zeit viel weiter zugänglich und etliche hundert Meter in die Tiefe führte, und endete in den Dachkammern der Wehrtürme und Bastionen.

Eine Besichtigung von Burg Wildenstein war vom Führer der SZ-Wanderung eingeplant. Zivi Manuel aus Bärental erklärte alle Sehenswürdigkeiten einschließlich des Daches im Rittersaal und des Altars der Burgkapelle. Im Rittersaal wurden viele Bilder und Kostbarkeiten während des letzten Krieges ausgelagert, so überstand die das Bild von der "Anbetung der Heiligen Drei Könige" vom "Meister von Meßkirch" aus der St. Martinskirche auf Burg Wildenstein die Wirren des zweiten Weltkrieges.

Nach einer Stärkung in der Schänke verließen die Ausflügler die Burg und von nun an ging"s bergab; über Altwildenstein, durch den Wildensteiner Tobel hin zum Donautalhaus, in dem der Vater von Martin Heidegger das Licht der Welt erblickte. Nun, im Tal, über den viel befahrenen Radweg, zurück zum Bahnhof Beuron, unterbrochen durch St.Maurus und dem ironisch als "Bruder Kurzschluß"bezeichneten Wasserkraftwerk des Klosters.

"Eine kurweilige Tour"

Franz Neher und sein Namenskollege King brachten dabei etliche Anekdoten zum Besten. Lene Eisele, die mit einem befreundeten Ehepaar aus dem Schwarzwald die Wanderung begleitete, sagte beim Abschiednehmen: "Hoffentlich machen wir bald wieder eine solch kurzweilige und abwechslungsreiche Tour!"

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