Blinde Musiker begeistern Publikum in St. Verena

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Musik ist ihre Leidenschaft. Obwohl sie nicht sehen können, hindert das siebenköpfige Ensemble nichts daran, mit seiner Musik die Menschen zu begeistern. Auf Einladung der Lindauer Behindertenbeauftragten spielten die "Blinden Musiker München" in der evangelischen Kirche St. Verena.

Sie haben über 300 Stücke in ihrem Repertoire. Sie geben 300 bis 350 Konzerte im Jahr, absolvieren manchmal bis zu fünf Auftritte an einem Tag und touren durch ganz Europa: die "Blinden Musiker München". Kein Wunder, dass das Publikum in der voll besetzten Kirche St. Verena in Reutin vor Begeisterung tobte und dabei zeitweise völlig den ernsthaften Ort des Konzertes vergaß.

Ob Jazz, Dixie, Musical oder Blasmusik, Klassik, Volksmusik, Schlager oder Kirchenmusik aus fünf Jahrhunderten, das Konzert der fünf Männer und zwei Frauen umfasste ein breitgefächertes Spektrum an Stücken, die die Musiker allesamt auswendig beherrschten und in den Originalversionen zum Besten gaben.

Dabei studieren sie die Stücke nicht mit Hilfe von Blindennotenschrift ein, sondern lassen sich Passagen von einem Musiklehrer vorspielen, die sie dann wiederum so lange nachspielen, bis diese "sitzen".

Gegründet hat sich die Gruppe 1995 ursprünglich als Selbsthilfeverein, aus dem dann eine gemeinnützige Firma wurde, die den blinden Musikern ermöglicht, ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen. Mit ihrer Musik erspielen und bestreiten sie ihren Lebensunterhalt.

War der Beginn des Konzertes mit Stücken wie von Michael Praetorius, Georg Philipp Telemann, Jeremia Clark, Wolfgang Amadeus Mozart, Georg Friedrich Händel, Henry Purcell und John Baston klassisch und feierlich, so ging es bald schon modern weiter. Dabei wurden Lieder von Reinhard May und Hannes Wader ebenso präsentiert wie Stücke von Louis Armstrong, Jerry Herman, Billy Joel, den Beach Boys, Elton John und Francis Ray.

Viele haben mehrere Talente

Die Musiker wechselten dabei mühelos zwischen den Musikrichtungen und Instrumenten und traten dabei als Posaunenchor, Blaskapelle, Bigband, Chor, A-cappella-Gesangsgruppe und Flötenensemble auf. Einige von ihnen beherrschen vier Instrumente, so wie Marco Simonowski, der seit 2001 bei der Gruppe ist und neben Trompete, Flöte, Gesang und Gitarre auch noch Keyboard spielt, wenngleich, wie er erzählte, letzteres nur zu Hause.

Beeindruckend für das Publikum war neben der musikalischen Vielfalt und des breitgefächerten Repertoires gleichermaßen die spür- und sichtbare Freude am Gesang und am Musizieren, die das Ensemble versprühte. Stimmungsvoll beendete das wohlbekannte Kinderlied "Der Mond ist auf gegangen", das wahre Begeisterungsstürme hervorrief, das außergewöhnliche Konzert.

Da konnte Eike von Hoyer, der Vorsitzende des Behindertenbeirats Lindau, nur zu Recht den Abend mit dem Ausspruch beenden: "Schöner kann ein Tag nicht zu Ende gehen."

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