Der Major und die Römer

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AALEN - Eigentlich war er ein strammer Offizier. Doch berühmt machte ihn nicht seine Karriere in der Armee, sondern seine Leistung für die Wissenschaft. Major Heinrich Steimle war als "Streckenkommissar" Leiter der Ausgrabungen am Aalener Limes Ende des 19. Jahrhunderts. Eine kleine Straße am Limesmuseum trägt seinen Namen.

Von unserem Redaktionsmitglied Sebastian Bernklau

1846 erblickt Heinrich Steimle das Licht der Welt. Über Eltern, Kindheit und militärische Karriere Steimles ist so gut wie nichts bekannt. Erst 1892 taucht sein Name wieder in den Akten auf.Schuld daran ist ein Nobelpreisträger. Theodor Mommsen, renommierter Althistoriker und Autor der "Römischen Geschichte", ruft in jenem Jahr die Reichslimeskommission ins Leben. Sie soll den Verlauf und die Details des römischen Grenzwalls systematisch untersuchen.

Die Arbeiten an den verschiedenen Abschnitten sollen die "Streckenkommissare" leiten. Und der Major im Ruhestand Heinrich Steimle wird einer dieser "Kommissare". Er ist fortan für die Grabungen für die "Strecke 12"- vom Kolbenberg bis zur bayerischen Landesgrenze - zuständig. Ob er eine entsprechende Vorbildung als Archäologe hat, ist zu bezweifeln.

In Aalen selbst beschränken sich die Arbeiten auf das Gebiet des Limeskastells. Nur wenige Wochen arbeitet Steimle unter der Mitwirkung von Felix Hettner vor Ort am Kastell der Ala II Flavia. Mitten in der Ausgrabungskampagne erkrankt der 49-jährige und muss den praktischen Teil Hettner überlassen.

In der Folgezeit beschäftigt sich Steimle mit der theoretischen Auswertung der Aalener Ausgrabungen und mit weiteren Ausgrabungen, etwa am Kastell Lorch, am Kastell Unterböbingen und dem Kastell Schierenhof bei Schwäbisch Gmünd. Seine theoretischen Abhandlungen kann er nicht abschließen. 61-jährig stirbt Steimle im Jahr 1907. Seine kompletten Forschungsberichte werden - obwohl mit seinem Namen versehen - nur in der von Kollegen stark bearbeiteten Fassung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Wer Original-Steimle sucht, der sollte ins Limesmuseum gehen, denn dort sind etliche Stücke, die er ans Tageslicht beförderte, zu bestaunen.

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