Wo einst 20 Araber standen

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Alwind nennt sich hinter Degelstein das westlichste Stück von Schachen, das an Wasserburg grenzt, die Uli-Wielandstraße und die Alwindstraße umfasst und benannt ist nach einer der schönsten Villen am bayrischen Bodenseeufer: dem Schloss Alwind, das einst nicht nur als Sommerresidenz wohlhabender Kaufleute diente, sondern zeitweise auch ein großes Landgut war.

"Alwind ist meine Heimat. Seit meinem dritten Lebensjahr wohne ich hier", antwortet Kyra Ebrecht auf die Frage, warum es sich hier so gut leben lässt. Die 94-Jährige wohnt mit der Familie ihrer Tochter im ehemaligen Verwalterhaus von Schloss Alwind und ist die Enkelin von Leopold König, dem einstigen Besitzer des Schlosses. "Mein Großvater hat es 1905 von Georg Gruber übernommen. Von uns wurde es 1924 an Beckmann verkauft. Dann übernahm es 1937 die Post, und jetzt ist es ein Erholungswerk", erklärt sie.

Ihr Großvater kaufte das gesamte Gelände mit dem Schloss von Georg Gruber, einem Cousin Friedrich Grubers, dem Erbauer der Villa Lindenhof, der sich Alwind als Sommerresidenz errichtet hatte. Als Leopold König, ein erfolgreicher Großindustrieller deutscher Herkunft aus St. Petersburg, schließlich die "Perle am Bodensee" von dessen gleichnamigen Neffen abkaufte, diente es der Familie zuerst ebenfalls nur als Sommersitz.

Allerdings wurde das gesamte Anwesen landwirtschaftlich genutzt, wozu König verschiedene Nebengebäude errichten ließ. So gab es einen Ökonomiebereich mit einem Hühner- und Entenhof und ein Gewächshaus, "in das die Palmen reinkamen und in dem Pfirsiche und Champignons wuchsen", wie sich Kyra Ebrecht erinnert. Im heutigen Alwind 3 befand sich die Mosterei, die Brennerei, die Wagenremise, der Schweinestall, die Milchstube und der Stall für die jungen Kühe. Und dort, wo jetzt der "Degelsteinblock" steht, stand die Reithalle mit den Ställen für rund 20 kostbare Araber.

Krieg und Revolution

"Die Landwirtschaft diente ausschließlich zur Versorgung des Schlosses, also nur für den eigenen Verbrauch", sagt Kyra Ebrecht und erzählt, dass zum Besitz des Großvaters noch weitere Güter in Lindau gehörten. "Aber das ist eine andere Geschichte", winkt sie ab und berichtet, dass die heutige Parkanlage der Villa zum See hin mit Weinstöcken bepflanzt war. "Den Garten hat Beckmann angelegt." Rund um das Verwalterhaus "standen keine Häuser. Das war nur eine Wiese mit Obstbäumen". Direkt davor befand sich der Gemüsegarten, und der Anbau des Gebäudes diente als "Samenhaus". "Das ist jetzt mein Schlafzimmer."

Als der Großvater 1912 starb, hinterließ er den gesamten Besitz seiner Frau. Als im August 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, hielt sich die Familie gerade in Lindau auf und konnte nicht mehr zurück nach St. Petersburg. Die Oktoberrevolution nahm den Königs schließlich ihre Liegenschaften und Fabriken in Russland, und die Weltwirtschaftskrise tat ihr Übriges, dass Alwind nicht mehr zu halten war. Das Schloss wurde verkauft, die Grundstücke in Parzellen aufgeteilt und an die sieben Kinder verteilt. "Meine Mutter bekam das Verwalterhaus, und alles wurde dann so langsam, eins nach dem anderen, verkauft", sagt Kyra Ebrecht und fügt hinzu: "Meine Mutter wohnte hier, und ab 1924 habe auch ich hier gewohnt. Jetzt wohnt hier meine Jüngste und nach Möglichkeit bleibe auch ich hier."

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