Drogenhilfe befürchtet viele Tote unter Heroin-Süchtigen

Lesedauer: 4 Min

Ein positives Fazit für die Drogenhilfe Ulm/Alb-Donau im Jahr 2007 haben Vorsitzender Ulrich Berron und Leiter Frank Riethdorf bei der Mitgliederversammlung gezogen. "Generell ist unsere Finanzlage sehr gut. Da gibt es keinerlei Schwierigkeiten", sagte Riethdorf. Das Jahr 2007 konnte die Drogenhilfe mit einem Plus von 265 Euro abschließen.

Besonders die gerichtlichen Bußgelder in Höhe von 53 000 Euro, die die Drogenhilfe eingenommen hat, schlagen positiv zu Buche. Für das Jahr 2008 rechnen die Verantwortlichen mit rund 323 000 Euro Einnahmen. Außerdem steht dieses Jahr im Zeichen der Kooperation mit anderen Einrichtungen. Denn ab dem kommenden Jahr erhalten nur noch Einrichtungen Geld vom Land, die in ein kommunales Suchthilfe-Netzwerk eingebunden sind. Dort stehe ein Vertragsabschluss unmittelbar bevor.

Außerdem werde die Arbeit der Drogenhilfe nun anhand von Leistungskennzahlen bewertet, die für höhere Zuschüsse der Stadt entscheidend sind. "Wir befinden uns in Verhandlungen mit der Stadt", erklärte Riethdorf. Das Problem sei jedoch, dass die Arbeit der Drogenhilfe schwer zu bewerten ist. Der Vorsitzende Ulrich Berron wurde ohne Gegenstimme wiedergewählt. Auch seine Stellvertreter, Marion Garni und Robert Jungwirth, wurden in ihren Ämtern bestätigt. Sorgen bereitet der Organisation das Thema Drogensubstitution.

Substitution bedeutet, dass Drogenabhängige neben psychologischer Hilfe auch legale Ersatzstoffe wie beispielsweise Methadon erhalten, um aus dem Kreislauf von Prostitution und Beschaffungskriminalität heraus zu kommen. Substituierenden Ärzten in den alten Bundesländern droht nun ein Wegfall von 20 Prozent ihres Honorars, wie der Ulmer Psychiater Franz Josef Bentele erklärte. Grund ist, dass ab 1. Januar alle Ärzte gleich bezahlt werden sollen. Tritt dieser Fall ein, ist Benteles´ Substitutionspraxis nicht mehr rentabel und muss schließen.

"Dann stehen am 1. Januar 120 Leute mit körperlichen Entzugserscheinungen da", so der Kommentar von Frank Riethdorf. Bentele erklärte, dass er sich bereits schriftlich an verschiedene Stellen gewandt hat, um über Lösungen des Problems zu diskutieren. Da viele seiner Patienten aus Stadt und Landkreis Neu-Ulm stammen, habe er auch Vertreter der Politik in Neu-Ulm angeschrieben.

"Neu-Ulm muss in die Pflicht genommen werden. Die fühlen sich überhaupt nicht in der Verantwortung", tadelte Bentele. Riethdorf verwies auf die Folgen, die der Wegfall der Substitution nach sich ziehen werde. Bereits in den ersten Wochen sei mit vielen Toten zu rechnen. Die Abhängigen griffen wieder auf Heroin zurück, das sie aber nach der langen Abstinenz nicht mehr vertragen.

Kommentare werden geladen