"Wenn des Haus doch nur schwätza kennt!"

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OCHSENHAUSEN - Der heimatgeschichtliche Gesprächskreis des Bürgervereins "OX-21" hat sich mit dem Haus Burghalde 14 beschäftigt, dem einstigen Scharfrichterhaus der Klosterherrschaft Ochsenhausen. Helmut Pfaller, der in dem Haus aufgewachsen ist, hat mit Wolfgang Schlecht die Ergebnisse gemeinsamer Recherchen vorgestellt.

Die Geschichte dieser Recherchen um das Haus Burghalde 14 begann eigentlich ganz typisch. Anlass für konkrete Nachforschungen war vor 20 Jahren das Bedürfnis, das stattliche Fachwerkbauernhaus zu renovieren.

Laut Helmut Pfaller, dem langjährigen Leiter des städtischen Bauhofs, der nachweislich in mütterlicher Linie von der letzten Scharfrichterfamilie Deigentesch abstammt, besann man sich auf eine vage Familienüberlieferung, nach der in diesem Haus früher der Scharfrichter gelebt habe.

Bescheidene Renovierungshilfe

In seiner Familie sei auch der Name "Schelmenweg" und für die Äcker auf der Hochfläche der Name "Beim Galgen"gebräuchlich gewesen, berichtet Helmut Pfaller. Da müsste es doch möglich sein, Zuschüsse vom Denkmalamt für die Renovierung des Anwesens zu bekommen, so 1988 die Hoffnungen der Familie Pfaller. Der Zuschuss fiel dann aber eher bescheiden aus.

Ein Gutachten durch Prof. Dr. H. Grees von der Universität Tübingen bestätigte aber im Wesentlichen die Familientradition. Es handle sich tatsächlich um den ehemaligen Hof des Scharfrichters, den das Kloster seit der Belehnung mit dem Blutbann durch den Kaiser im Jahre 1488 benötigt habe.

Bezeichnend: Lage am Ortsrand

In den sogenannten Urbaren des Klosters erscheine der Hof als "Leiblehen" , als nicht vererblich, und mit "St. Regina" habe er wie alle anderen Höfe der Klosterherrschaft seit Abt Cölestin Frener einen Heiligennamen getragen. Die einstige Lage des Hofes "außerhalb Etters", also außerhalb des dörflichen Rechtsbezirks, sei für die gesellschaftliche Situation des Scharfrichters typisch gewesen.

Lebhaft wurde die Diskussion, als es um die gesellschaftliche Stellung des Scharfrichters ging. Gefürchtet und verachtet zugleich, galten die Scharfrichter mit ihren Gesellen und Lehrlingen als "unehrlich" und durften kein zünftiges Handwerk betreiben. Als Kleemeister und Abdecker, die für die Beseitigung von Tierkadavern sorgen mussten, übten sie nicht unlukrative Tätigkeiten aus; ihre anatomischen Kenntnisse nützten sie häufig als Tierärzte und Heilpraktiker.

Obwohl gesellschaftlich geächtet, war ihr Leben streng geregelt; sie durften beispielsweise die heilige Messe besuchen, waren jedoch von den Sakramenten ausgeschlossen. Ehepartner fanden sie nur unter ihresgleichen, so dass sich regelrechte Scharfrichterdynastien wie die Deigentesch oder die Vollmar herausbildeten.

1803 mit der Säkularisation gingen zunächst sämtliche hoheitlichen Rechte an den Fürsten Metternich über. 1806 wurde das Fürstentum Ochsenhausen mediatisiert und unterlag damit den Gesetzen des Königreichs Württemberg. 1823 wurde die soziale Ausgrenzung der Kleemeister aufgehoben; ihre Söhne durften "ehrliche" Handwerksberufe ergreifen. Hans-Peter Baumann berichtete in einem eigenen kleinen Referat über die Entwicklung der Todesstrafe im Königreich Württemberg.

Auch die Bewohner des Ochsenhauser Scharfrichterhauses waren von diesen Entwicklungen betroffen. Die Tochter des letzten Scharfrichters, Franziska Deigentesch, heiratete Anton Sorg und deren Tochter Regina ehelichte 1845 Alois Pfaller.

In der Zwischenzeit war durch Ablösung das Anwesen in das Eigentum der Familie übergegangen und die Pfallers betätigten sich als Kleemeister, Beschneider von Hengsten und auch als Tierärzte. Daneben betrieben sie die zum Hof gehörige Landwirtschaft. "Wir sind heute ganz harmlose Menschen" versichert Helmut Pfaller lächelnd.

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