Heiligendarstellungen erwarten Verehrung

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IMMENSTAAD - Viele Interessierte sind am Montagabend ins Immen staader Rathaus zur Eröffnung einer außergewöhnlichen Ausstellung gekommen. Die seit fünf Jahren in der Gemeinde lebende Ikonenmalerin Angela Scharnhorst stellt dort eine reiche Sammlung ihrer Ikonen aus.

Beim Geburtstagsbesuch bei der 75-Jährigen hatte Bürgermeister Jürgen Beisswenger die Schätze entdeckt, die Angela Scharnhorst in vielen Jahren geschaffen hat. Er freut sich, dass diese nun im Rathaus ausgestellt sind. Lange hatte die Künstlerin sich darauf gefreut, doch dann hinderte ein Krankenhausaufenthalt sie daran, bei der Eröffnung dabei zu sein.

Mit herzlichen Worten stellte daher ihre Schülerin und langjährige Wegbegleiterin Ursula Schlüter die Ikonenmalerin vor, die 2001 aus dem Sauerland nach Immenstaad gezogen war. Dass sie aus einer Künstlerfamilie stammt, habe Angela Scharnhorst geprägt. Den Zugang zur Ikonenmalerei habe sie auf einer Reise von Leningrad nach Nowgorod, in die Hochburg der Ikonostasen, gefunden. Dort habe sie beschlossen, diese Kunst von Grund auf zu lernen. Sie habe die russische Sprache ebenso gelernt wie die nötigen Techniken. Nachdem sie schon als 17-Jährige ihre erste alte russische Ikone gekauft hatte, führte sie ihre Liebe zur russischen Kunst und der orthodoxen Religion zu weiteren Studienreisen in die UdSSR, zur Nationalgalerie Prag und in orthodoxe Frauenklöster nach Griechenland.

In Ikonenmalkursen und intensivem Selbststudium sei sie immer tiefer in das Ikonenmalen eingedrungen, habe sich vor allem der Nowgoroder Schule und der Ikonenschule vom Heiligen Berg Athos gewidmet, habe ihr Wissen auch in Ikonen-Malkursen weitergegeben. Ausführlich referierte S.E. der griechisch-orthodoxe Bischof Boris Rothemund vom Ikonenmuseum Schloss Autenried über die lange Geschichte der Ikonen. Viele Bilderstürme hätten die verehrten Bilder erlebt, bevor sie erstmals beim Bilderkonzil von 787 zugelassen, dann noch einmal verfolgt und 843 endgültig anerkannt als Repräsentationsbilder wurden: Nicht sie selbst würden verehrt, sondern das abgebildete Urbild, sei es Christus oder die Muttergottes.

In der Ausstellung erläutert eine Tafel die Schritte vom Grundieren bis zum Malen und Vergolden einer Ikone, für die Angela Scharnhorst altes Holz aus sauerländischen Fachwerkhäusern oder auch Fassholz verwendet. Für die an den Wänden und in Vitrinen ausgestellten Objekte sollten Besucher viel Zeit mitbringen: Ikonen, Kreuze, Eier mit Heiligendarstellungen- mit ernsten Gesichtern oder mildem Lächeln schauen sie dem Betrachter entgegen, erwarten nicht nur Neugier, sondern tiefere Beschäftigung, Verehrung.

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