Mirko Culic will die Netzhoppers aufwecken

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KÖNIGS WUSTERHAUSEN - Ein Meistertrainer für einen Provinzclub. Mirko Culic, der mit dem SCC Berlin 2003 und 2004 Deutscher meister war, wird versuchen, bei den Netzhoppers Königs Wusterhausen ein Volleyball-Fieber zu entfachen.

Wir wissen nicht, ob Mirko Culic wirklich zugesagt hätte. Wenn Königs Wusterhausen im Rheinland liegen würde. Doch die Heimat der Netzhoppers befindet sich nun einmal im Dunstkreis von Berlin. Und genau dort fühlt sich der 45-Jährige heimisch. "Ich bin gerne nach Berlin zurückgekommen", gibt Culic offen zu. Die zwei Jahre auf der Bank von Evivo Düren seien zwar sportlich in Ordnung gewesen, "doch persönlich war ich nicht ganz zufrieden." Weil er seine Frau zu selten sah. Da kam das Angebot der Netzhoppers gerade zur richtigen Zeit. Die Verantwortlichen um Manager Michael Kahl hatten Wind davon bekommen, dass Culic in Düren nicht verlängern würde. Gleichzeitig hatte KW-Coach Matthias Münz erklärt, seinen Vertrag im Spreewald nicht verlängern zu wollen. "Er hat sein eigenes Ding durchgezogen, womit wir nicht immer einverstanden waren", erklärt Michael Kahl rückblickend. "Weil die Ergebnisse aber gut waren, sahen wir keine Veranlassung, uns von Münz zu trennen."

Der Netzhoppers-Manager scheint dennoch nicht ganz unglücklich darüber zu sein, wie sich die Dinge jetzt entwickelt haben. "Culic hat einen ganz anderen Kontakt zur Mannschaft und zum Vorstand. Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht." Wie Culic das Training organisiere, wecke sehr viel Optimismus. Der drückt sich in Zahlen so aus: Man will sich gegenüber Platz acht in der Vorsaison - hier schied man im Viertelfinale erwartungsgemäß gegen den VfB Friedrichshafen aus - auf jeden Fall verbessern. Dazu beitragen sollen aus dem 13er-Kader vor allem die beiden Neuzugänge Sebastian Prüsener (vom SCC Berlin) und Nikola Matijasevic. "Ich denke, wir sind sehr gut aufgestellt", glaubt Michael Kahl.

Ähnlich sieht's Trainer Culic. "Die Mannschaft hat Potenzial, die Spieler wollen beißen." Doch wo das Team genau stehe, könne er erst gegen Jahresende sagen. "Ich wünsche mir", so Culic, "dass wir Volleyball mit viel Begeisterung und Leidenschaft spielen und dass sich die Fans mit unserer Spielweise identifizieren." Welcher Platz dann am Ende rausspringe, sei für ihn zweitrangig. Der VfB, der SCC, Unterhaching, Düren, Eltmann und Moers hält Culic noch für "eine Nummer größer", dahinter begegne man sich auf Augenhöhe.

Was den sportlichen Teil betrifft, scheint bei den Netzhoppers alles im grünen Bereich zu liegen. Bleibt da nur das Umfeld, das Michael Kahl weiterhin Bauchschmerzen bereitet. Die Popularität des Volleyballs ist auch in Brandenburg, obwohl hier mit den Netzhoppers nur sechs Bundesligisten beheimatet sind und die eigene Abteilung rund 200 Mitglieder zählt, ein hausgemachtes Problem. "Es hat sich bei vielen noch nicht rumgesprochen, dass es hier guten Sport zu sehen gibt", beklagt Michael Kahl. Zwar gibt es mit den "Netzinos" einen eigenen Fanklub, doch gelte es nun die Leute zu erreichen, "die noch nicht wach sind".

Etat auf Kante genäht

Einen Weckruf hat der Vorstand auch in Richtung Sponsoren geschickt, denn der unterhalb einer halben Million Euro liegende Etat für die Saison ist noch nicht hundertprozentig gesichert. "Wenn Herr Kahl anruft, gibt's höchstens mal 'ne Tasse Kaffee", beschreibt der KW-Manager den steten Kampf um Geldgeber. "Es ist schwierig hier, wir sind schon alle Listen durchgegangen und haben praktisch alles abgegrast."

Doch in dieser Saison gilt es erst einmal, Konstanz in die Leistungen zu bringen. "Wir haben sehr gute Rohlinge dabei, die jetzt den Schliff bekommen müssen", meint Michael Kahl. Zudem müsse daran gearbeitet werden, wie manche Spieler auftreten. Oft hätte man in der Vergangenheit schon ein gewisse Resignation in den Gesichtern entdeckt, wenn auf der anderen Seite ein starker Gegner die Halle betrete. "Diese Einstellung muss weg und das wird Mirko auch hinkriegen. Bei Münz hätte ich so meine Zweifel." Auch Mirko Culic hat erkannt, dass es noch viel Arbeit gibt. "Die Mannschaft ist nicht eingespielt, weil auch noch mehrere Spieler fehlen. Aber es ist eine gute Entwicklung zu erkennen." Und auf zwei Spiele freut sich der neue KW-Trainer natürlich ganz besonders: Die Duelle mit dem SCC Berlin. Denn da hatte Culic bekanntlich schon einmal das Sagen...

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