Die Namenlosen wollen sich etablieren

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Michael Mücke wagt ein neues Abenteuer: Er übernimmt den Trainerjob beim Aufsteiger TSV Giesen/Hildesheim. Ob das Team bundesligatauglich ist? Mücke wird sich überraschen lassen müssen.

Vier Jahre auf Montage. Vier Jahre pendeln zwischen Wuppertal, Markranstädt und zuletzt Leipzig. Für ein paar Tage in der Woche hin, zwischendurch wieder zurück in den Westen. Zur Familie, die den Weg gen Osten nicht mitgehen wollte. Für Michael Mücke war's eine richtige Tortur. Die er gerne auf sich genommen hatte, so lange das sportliche Umfeld passte. Doch beim VC Leipzig ging's zuletzt drunter und drüber. "Wir haben unsere Gehälter mit großer Verspätung bekommen", so Mücke. "Und auch die ständigen Querelen machten einen mürbe." Von dem Zusammenschluss mit dem VC Markranstädt sei er praktisch das letzte Überbleibsel. "Eigentlich waren wir mit Leipzig auf einem guten Weg, aber es machte keinen Sinn mehr, da zu bleiben."

Die Fahrerei und die Trennung von der Familie erleichterten schließlich die Entscheidung, die Zelte in Leipzig endgültig abzubrechen. Und in der Nähe von Hildesheim beim TSV Giesen wieder aufzubauen. Beim TSV Giesen/Hildesheim erwartet den Volleyball-Fachmann nun eine ungleich schwerere Aufgabe, der Klub wird gerne als Hoffenheim der Volleyball-Bundesliga bezeichnet. Was sich allerdings kaum auf den finanziellen Teil beziehen kann, geht der TSV doch mit einem Etat von gerade einmal 250 000 Euro in die Saison. Was das Team aus der 10000 Einwohner zählenden Gemeinde vor den Toren Hildesheims erreichen kann? "Das weiß ich selbst noch nicht genau", schmunzelt Mücke, der gerade einmal knapp vier Wochen seine Spieler unter die Lupe nehmen konnte. Wie schwer die Aufgabe sein dürfte, verrät dem neuen Trainer schon der Blick auf die Liste seiner Spieler. Da fehlen die bekannten Namen, mit Mathias Sockel und Henning Wegter können lediglich zwei Akteure Bundesliga-Erfahrung vorweisen. Hinzu kommt, dass der Kader mit gerade einmal zehn Schmetterkünstlern äußerst dünn besetzt ist. "Nun ja, da müssen wir noch nachlegen, ein oder zwei Spieler holen", räumt Mücke ein. Von den Stärken und Schwächen seines Teams hat sich der erfahrene Coach noch kein Bild machen können. "Tut mir leid, das ist noch zu früh." Sportlich etablieren wolle man sich, aber diese Durchhalteparolen machten auch schon bei anderen Aufsteigern die Runde. Auch wenn der neue TVG-Coach, der die Nachfolge des im Juni nach einer schweren Krankheit verstorbenen Laurenz Weiner antritt, nur wenig über Management, Zuschauerinteresse und sportliche Qualitäten sagen kann. "Hier ist vieles auf den Weg gebracht worden."

Ob auch die Zuschauer mitspielen, ist eine weitere unbekannte Größe. 600 bis 700 waren es in der vergangenen Zweitliga-Saison, die Öffnung nach Hildesheim könnte weiteres Publikum anziehen, mit 1000 bis 2000 spekulieren die Verantwortlichen. Der Heimspiel-Auftakt gegen den VfB Friedrichshafen ist da der richtige Appetitanreger.

Für sein Team wird die Bundesligasaison ein Lehrjahr - da macht sich auch Mücke keine Illusionen. Von den Play-offs runter in den harten Kampf um den Klassenerhalt, auch für den neuen Mann auf der Kommandobrücke dürften es keine entspannten sechs Monate werden. Bis zum Tag X lautet Mückes Devise nun: Training, Training und nochmals Training. Dazwischen gibt's Theorie und jede Menge Arbeit im athletischen Bereich. Bleibt also kaum noch Zeit, sich näher kennenzulernen. Aber es soll ja auch Blind Dates geben, bei denen es sofort funkt...

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