300 Experten üben Tierseucheneinsatz

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BIBERACH - Wenn Tierseuchen ausbrechen, drohen immense wirtschaftliche Schäden. Um im Ernstfall schnell reagieren zu können, hat das Regierungspräsidium ein Notfall-Einsatzzentrum in Biberach eingerichtet. Bei einer Großübung mit 300 Fachleuten soll Ende September der Seuchenfall geprobt werden.

Überregionales Tierseuchenbekämpfungszentrum heißt die Einsatzzentrale, von der im Ernstfall Veterinäre die Seuchenbekämpfung in mehreren Landkreisen koordinieren. Das neue Zentrum, das das Regierungspräsidium Tübingen (RP) gestern offiziell vorgestellt hat, befindet sich auf dem Gelände der Bereitschaftspolizei Biberach. Dort wurde gestern ein entsprechender Nutzungsvertrag unterschrieben.

Es handelt sich um ein Pilotprojekt des Landes. Biberach habe man aus zwei Gründen als Standort gewählt, erklärte Gabriele Reiser vom RP. Erstens sei die Lage verkehrstechnisch günstig. Und zweitens liege Biberach im "viehdichtesten Bezirk" Baden-Württembergs. Wenn es zu Tierseuchen komme, sei das Risiko hoch, dass sie hier ausbrechen würden, erläuterte Reiser. Im Blick haben die Behörden vor allem die Maul- und Klauenseuche. "Wenn die Maul- und Klauenseuche in Deutschland ausbrechen würde, könnte es wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe geben", sagte Dr. Peter Egle, Leiter des Kreisveterinäramts Biberach.

Auf Hof wird desinfiziert

In einem solchen Krisenfall zieht das Regierungspräsidium im Biberacher Tierseuchenbekämpfungszentrum Veterinäre zusammen. "Sie planen, wo wer eingesetzt wird und haben den Überblick über die Gesamtlage", erklärte Dr. Wilhelm Hornauer von der Task Force Tiersuchenbekämpfung des RP. "Sie schauen, wo ist die Lage besonders dramatisch, und wo sind deshalb die ersten Aktionen notwendig." Im Bekämpfungszentrum wird auch Material bereit gehalten: alles, was die Tierärzte auf den Höfen brauchen und Schutzkleidung. Zum Bekämpfungszentrum rollen nach den Einsätzen die Fahrzeuge von Feuerwehr oder THW.

Sie werden dekontaminiert, sprich desinfiziert, bevor sie zum nächsten Hof ausrücken. Dasselbe gilt für die Einsatzkräfte. So soll verhindert werden, dass die Seuche von einem zum nächsten Hof verschleppt wird. Das Ganze ist dabei die zweite Sicherheitsschiene. Denn bereits vor der Abfahrt vom landwirtschaftlichen Betrieb ging es durch eine Desinfektionsschleuse. Das überregionale Tierseuchenbekämpfungszentrum sei eine gute Sache, fand Dr. Peter Egle. "Aus Veterinärssicht ist es ein bisschen wie Weihnachten, dass ein solches Zentrum eingerichtet wird", sagte er.

Bei einer großen Übung von Donnerstag, 25., bis Samstag, 27. September, probt das Zentrum erstmals den Ernstfall. Rund 300 Fachleute aus den Landkreisen Biberach, Alb-Donau, Ravensburg und der Stadt Ulm beteiligen sich. Sie kommen vom RP, den Veterinärämtern, von Feuerwehr, THW, DRK, Veterinärzug Ravensburg, Bereitschaftspolizei, dem staatlichen Untersuchungsamt Aulendorf, dem Landesbauernverband, der Tierkörperbeseitungsanstalt Warthausen und der Viehzentrale Südwest.

Ein Schäfer im Alb-Donau-Kreis und eine Reihe von Schweinemästern aus dem Landkreis Biberach stellen ihre Höfe zur Verfügung. Alle Schritte der Seuchenbekämpfung von der Absperrung des Betriebes über die Dekontamination, die Untersuchungen der Tiere bis zur Räumung der Ställe werden durchgespielt. "Tiere werden natürlich nicht getötet", betonte Hornauer.

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