Rapper prangern Missstände an

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WEINGARTEN - Am Samstag war es endlich soweit: Das große Hip-Hop- Open-Air beim Ermlandhof in Weingarten erlebte mit Kay One, Adrealin, SK Ekrem und anderen seine Feuertaufe. Und was für eine. Nur das miserable Wetter vermochte die gute Atmosphäre zu trüben.

Das sind die Markenzeichen der Rapper: Kurzhaarschnitt, speckige Lederjacke, dunkel getönte Sonnenbrille, Silberkette und - wenn es der Körper zulässt - ein Muskelshirt. Sie scheinen damit die gängige Vorstellung nur noch unterstreichen zu wollen.

Es ist 19. 56 Uhr. Der Regel plattert vom Himmel. Die Sonne verkriecht sich hinter den Wolken und die Dämmerung bricht herein. Sirenen ertönen, Blaulicht flackert auf. Ein blaues Polizeifahrzeug der Marke Passat rast staubaufwirbelnd auf das Open-Air- Gelände. Die Seitentüren springen auf, Kay One und Adrenalin hechten auf die Bühne. Die Menge raunt.

Es mutet an wie ein typisches Klischeebild: Polizei schnappt sich Verbrecher und schmeißt sie aus der Karre. Der Höhepunkt des Abends beginnt mit einer Schreckenssekunde. "Diese kleine Showeinlage war absolut ohne jeglichen Hintergedanken", betont Benedikt Poelchau alias Adrenalin. Der 19-Jährige hat SK Ekrem, Kay One, Faro, Maskoe und Jaysus für das Open-Air engagiert. Doch Poelchau hängt sich auch auf der Bühne voll rein: Mit dem Rapper von Bushidos Label "ersguterjunge" steht er im Scheinwerferlicht. "Es war spitze, bis auf das miserable Wetter hat alles gepasst", so Poelchau. Er lässt auch durchblicken, dass er und seine Kollegen bereits eifrig an einer Fortsetzung basteln. "Wir wollen es auf alle Fälle fortführen."

Gegen Ausländerhass

Kay One und die anderen Rapper verfolgen eine eindeutige Linie: Vornehmlich bringen sie mit den Texten ihre Missachtung für Ausländerhass und Diskriminierung zum Ausdruck. Man müsse zusammenhalten und über bestimmte Dinge nachdenken, verlangen sie. Es schimmert auch durch, dass die Migranten keine Lust mehr darauf hätten, von der Gesellschaft in eine Ecke gedrängt, in eine Schublade gesteckt zu werden. Mit den kritischen Texten, werden bewusst Missstände in der Gesellschaft an den Pranger gestellt.

Die Botschaft ist klar: Leute haltet zusammen, lasst euch nicht unterkriegen. Oder wie es SK Ekrem, der schon mehrere Jahre seines Lebens hinter Gittern verbracht hat, ausdrückt: "Wir wollen zurück - zurück ins Leben." Und wer eignet sich da als Vermittler besser als die Rapper? Menschen, die sich als Vorbilder eigenen, weil sie teilweise ähnliche Schicksale erlebt haben. Die Nähe ist augenscheinlich: Die Künstler springen in die schreiende Menge und lassen sich feiern. Hemmung scheinen sie nicht zu kennen.

Auch für Markus Maier aus Friedrichshafen ist das ein Fremdwort. Der 19-Jährige steht direkt vor der Bühne. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht, er ist glücklich. "Ich liebe Hip-Hop, das ist meine Leidenschaft", sprudelt es nur so aus ihm heraus. "Man muss es einfach lieben, denn es gibt nichts Besseres."

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