aus Veringenstadt

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u Eine Gemeinde soll vorwiegend Dienstleistungsbetrieb zugunsten des Gemeinwohls sein. Diese Lebenserfahrung, zugleich ein Vermächtnis für Kommunalpolitiker,

formulierte Veringenstadts ehemaliger Bürgermeister Stephan Fink noch im hohen Alter. Am 2. September wäre er 100 Jahre alt geworden.

Fink war ein Mann mit ehernen Grundsätzen. Zu ihnen zählten vor allem Gottvertrauen, Nächstenhilfe, friedvoller Umgang miteinander, Zusammenhalt in der Gemeinschaft, Achtung der Natur und Unternehmensgeist, gepaart mit verantwortungsvoller Risikobereitschaft. Auf solchen Fundamenten baute der gelernte Schreiner aus Veringenstadt nicht nur im familiären Umfeld, sondern auch im kommunalen Bereich. Seine Heimatregion hat dem fleißigen, und weitsichtigen Kommunalpolitiker viel zu verdanken.

37-jährig wurde er 1945 zum Veringenstädter Bürgermeister berufen. In der Nachkriegszeit, den Jahren des Wiederaufbaus und des Mangels, waren kreative Problembewältigung, Zupackbereitschaft, Wertebesinnung, Neuorientierung und Pioniergeist besonders gefragt. Stephan Fink, sechstes von zehn Kindern einer Bauern- und Fischerfamilie, stellte sich den Herausforderungen.

Ein Hauptproblem war damals die Wohnraum- und Arbeitsplatzbeschaffung für Heimatvertriebene und Flüchtlinge. Stephan Fink kümmerte sich nachhaltig darum. Von 1948 bis 1965 wurden in Ve-ringenstadt über 300 Wohnungen gebaut. Die Kommune nahm mehr Heimatvertriebene auf als sie selbst Einwohner hatte.

Der Aufschwung offenbarte sich nicht nur in der Entstehung von Ansiedlungen und im wirtschaftlichen Aufblühen, sondern auch in Renovierungs- und Erneuerungsmaßnahmen sowie in Bauten zugunsten der Allgemeinheit (Volksschule mit Kindergarten, Turn- und Festhalle sowie anderes mehr). Bei allen Bemühungen Finks stand das Menschlich-Soziale im Vordergrund, was sich auch in seinem umfangreichen Engagement für Vereine und Kirche niederschlug.

Kraft schöpfte Fink aus seinem Glauben und aus seiner Familie. Doch persönliche Schicksalsschläge blieben ihm nicht erspart. Von den neun Kindern, die ihm seine Frau Ida, geborene Ott, aus Inneringen schenkte, starben zwei bei der Geburt. Sein Bruder Fridolin verbrannte 1947 bei einem Brand im Finkschen Sägewerk.

Die Heimatregion profitierte vielfach vom Engagement des Ve-ringenstädters. So wirkte er im Hohenzollerischen Kommunallandtag und im Kreistag, im Pfarrgemeinderat, in Ausschüssen, Verbänden, Vorständen und Aufsichtsräten sowie als Schöffe im Landgericht. Auch nach seiner aktiven Zeit (Fink war bis 1966 Bürgermeister) nahm er regen Anteil am kommunalen Leben, an kulturellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Bis ins hohe Alter (Fink starb am 12. August 2000) blieb er aktiv in seinem Sägewerksbetrieb. 1983 würdigte Veringenstadt Stephan Finks verdienstvolles und bis heute nachwirkendes Engagement mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde und vom Land erhielt er die baden-württembergische Verdienstmedaille. (ba)

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