Kurt Baumgartner boxte auch mit Foreman

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TUTTLINGEN - Längst fühlt sich der gebürtige Österreicher Kurt Baumgartner als "alter Tuttlinger". In der Kreisstadt lebt er seit 1963 - anno 1968 allerdings hat der jetzt 65-Jährige bei den Olympischen Spielen in Mexiko für sein Heimatland im Halbschwergewicht geboxt.

Der damalige OB Walter Balz konnte vor 40 Jahren sogar zwei Tuttlinger Olympia-Teilnehmern im Rathaus einen Golddukaten überreichen: neben Kurt Baumgartner dem Neuzugang des Ringer-Bundesligisten ASV , den späteren (1970) Schwergewichts-Europameister Roland Bock. "Wir haben in Mexiko viel gedreht miteinander ..." deutet Baumgartner an.

Der in Klein-Göpfritz (Niederösterreich) geborene Kurt Baumgartner zog mit 17 nach Wien. Dort kam der gelernte Metzger über Bruder Franz, 1959 Weltergewichtsmeister und sein großes Vorbild, zum Polizeisportverein Wien. Die Boxer-Karriere - zuletzt beim BC Singen - dauerte bis 1978; ihre Bilanz weist 257 Siege, elf Unentschieden und nur 37 Niederlagen aus.

Bald machte der schnelle und schlagstarke Halberschwergewichtler von sich reden. Beim Länderkampf in Passau sah ihn ein dort urlaubender Boxexperte aus Schramberg und lotste ihn in den Schwarzwald. Als Baumgartner in Rottweil einen Tuttlinger förmlich demontierte, holte ihn ASV-97-"Boxzar" Richard Montigel an die Donau. Dort, wo er bald auch seine Frau Maria kennen und lieben lernte, arbeitete der zweifache Vater Baumgartner - heute sind als Opa die zwei Enkel "mein Leben" - weiterhin im erlernten Beruf, später noch zwei Jahrzehnte lang als Tagespförtner bei Aesculap.

Auch als Wahl-Tuttlinger boxte Baumgartner bis zur Einbürgerung anno 1971 für Österreich. Zahlreiche Erfolge bescherten ihm die Olympia-Nominierung im Frühjahr 1968, als einem von zwei Austria-Boxern. Ein schwerer Verkehrsunfall im Sommer gefährdete den Olympiastart. Doch Baumgartner ließ sich, obwohl "es mich überall zwickte", beim entscheidenden ärztlichen Check nichts anmerken und erhielt grünes Licht.

"Ein unvergessliches Erlebnis, ein Riesen-Event", bildeten für den damals 25-Jährigen die Spiele in Mexico City - auch wenn er nach dem Auftaktsieg gegen den starken Saungalo Babayoko aus Mali Pech hatte. Gegen den Italiener Walter Facchinetti, der sich eine Risswunde zugezogen hatte, schien Baumgartner dem Punkt- oder sogar Abbruchsieg nahe. Doch der australische Ringrichter disqualifizierte ihn wegen vorsätzlichen, aus Sicht des attackierenden Baumgartners aber unabsichtlichen Kopfstoßes. Einer seiner Sparringspartner war übrigens USA-Schwergewichtler George Foreman, letztlich Olympiasieger und später Profi-Weltmeister.

Kein Problem bildete für die Athlten aus dem neutralen Österreich der "sehr nette" Umgang mit den Sportlern der erstmals als eigenes Team antretenden DDR. Deren Schwergewichtler Bernd Anders wurde Baumgartner sogar zum "richtigen Freund".

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