"Der Glaube verlangt höchstes Risiko"

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So entstand zusammen mit anderen Textsammlungen ein überaus spannendes, mit Herzblut geschriebenes Buch, das das Difäm (Deutsches Institut für Ärztliche Mission) in Tübingen und Dr. Margret Marquarts Neffe Hubert Marquart unter dem Titel „Glaube verlangt höchstes Risiko – Dr. Margret Marquarts Leben“ herausgegeben haben.

Wie Mosaiksteinchen oder Puzzleteile fügen sich die einzelnen Wortbeiträge zu einem äußerst aussagekräftigen Porträt zusammen, das die Vielschichtigkeit von Dr. Marquarts Persönlichkeit widerspiegelt. Kern des Buches sind autobiographische Aufzeichnungen, welche die 76-Jährige auf ihrem Schreibtisch hinterließ, als sie am 21. April 2004 in ihrem Geburtsort Böttingen starb. „Der Weg“ nennt sie ihre Lebensgeschichte, auf die sie den Leser mit-nimmt. Dieser Weg ist ein steiler, felsiger Pfad voll risikoreicher Abgründe, den die 16-jährige Heubergerin ganz auf sich gestellt in Angriff nimmt, als sie ihrem Schulleiter der Spaichingen Oberschule für Jungen Dr. Denninger auf seine Frage, „Margret, was willst du werden?“ antwortet: „Missionsärztin – wenn i it z’dumm bi derzua.“

„Als mein Entschluss, Missionsärztin zu werden, feststand, dann deshalb weil ich als Mädchen nicht Pfarrer werden konnte“, sagt sie später. Sie habe mit Gott gerungen, ob es gut wäre, wenn sie schon nicht katholische Seelsorgerin würde sein können, dann wenigstens „Leibsorgerin“ zu werden.

Viele Steine, die ihr im Weg liegen und in den Weg gelegt werden, hat Margret zu überwinden. Aber immer wieder trifft sie auf Menschen, die ihr weiterhelfen: Prof. Fridolin Stier beim Studium in Tübingen, die Frauen der tief religiösen internationalen Gral-Bewegung in Holland und dann ab 1956 in Uganda und ab 1960 in Ghana eine großartige Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern, mit der sie das Krankenhaus in Kpando aufbaut, das später Margret-Marquart-Catholic-Hospital heißt und das sie leitet.

Verdienstkreuz im Briefkasten

Als die afrikanische Chefärztin mit 50 nach Deutschland zurückkehren muss, halb blind von der Malaria-Prophylaxe, „hatte niemand einen Platz für mich“, schreibt sie tief enttäuscht. Doch mit Hilfe des protestantischen Difäm wird die Außenseiterin und Fremde im eigenen Land allmählich wieder sesshaft und kümmert sich wie in Afrika um die Ärmsten der Armen, Abschiebehäftlinge, Behinderte und Benachteiligte. Erzürnt über die menschenunwürdige Abschiebepraxis, wirft sie ihr Bundesverdienstkreuz bei Ministerpräsident Erwin Teufel in Spaichingen in den Briefkasten. Bis zuletzt gönnt sie sich trotz ihrer schweren Tumorerkrankung keinen ruhigen Lebensabend, sondern „macht’s Maul auf“. „Das Leben muss sich doch rentiert haben“, ist zeitlebens einer ihrer Leitsätze gewesen.

Unter den Autoren der Textbeiträge und Nachrufe aus aller Welt sind auch Pfarrer Wolfgang Beck, Pfarrer i. R. Hubert Fetzer, ihr Bruder Georg Marquart, der Neffe Hubert Marquart, Bischof Sarpong aus Kpando und viele Weggefährten, die sich Dr. Margret Marquart ob ihres beharrlichen Glaubens, ihrer Redlichkeit, Bescheidenheit und Selbstlosigkeit zum Vorbild genommen haben.

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