Vier 74 Meter hohe "Riesen" laufen seit Mittwoch rund

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SCHRAMBERG-WALDMÖSSINGEN - Der Windpark Waldmössingen ist in Betrieb gegangen. Seit Mittwoch läuft es nun während der Probephase bei allen vier Windkraftan- lagen richtig rund.

Von unserer Mitarbeiterin Doris Hermann

Nacharbeiten in der Feinabstimmung waren nämlich an der Anlage Nummer 1 erforderlich. Unterschiedliche Gewichte der Rotorenblättern hatten eine Unwucht verursacht. "Die Anlage arbeitete deshalb nicht optimal", erklärte Herr Teichmann von der Firma Natenco (Natural Energy Corporation), die den Windpark vermarktet.

Mit einem Kran haben am Mittwoch zwei Fachleute in luftigen 60 Metern Höhe Gewichte an einem Rotorenblatt befestigt - zwei Kilogramm schwerer läuft es nun offensichtlich wieder richtig rund. Anlage 4 wurde am Mittwoch abgenommen, nachdem der technische Fehler behoben wurde. Für Teichmann sind diese Arbeiten reine Routinesache: "300 bis 500 Betriebsstunden sind bis zur Abnahme einer Anlage die Normalität."

Die Firma Natenco mit Sitz in Wolfschlugen nimmt damit einen weiteren Windpark in Betrieb. Das Unternehmen ist spezialisiert auf die Vermarktung von Anlagen für die Nutzung von Wind- und Sonnenenergie und bezeichnet sich als bedeutendsten Anbieter von Windparks in Süddeutschland.

Die vier Hummelbühl-Anlagen des Typs NEC Micon NM 900 auf 74 Metern Nabenhöhe und einem Rotordurchmesser von 52 Metern hat 8,16 Millionen Mark gekostet, die Investition einer Anlage wird mit rund zwei Millionen Mark angegeben. Auf Anfrage der SZ hat das Unternehmen interessante Zahlen, Daten und Fakten zusammengestellt. Es rechnet mit einem Stromertrag pro Anlage und Jahr mit 1,152 Millionen Kilowattstunden gerechnet, insgesamt liegt der Windparkertrag bei etwa 4,61 Millionen Kilowattstunden brutto. Entsprechend dem Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien beträgt der Erlös durch die Einspeisevergütung (grundsätzlich mindestens 17,8 Pfennig pro Kilowattstunde) für den kompletten Waldmössinger Windpark etwa 820 000 Mark im Jahr.

Die "Natenco" wirbt damit, dass Windräder oder auch nur Beteiligungen an Anlagen eine besonders interessante und renditestarke Anlagevariante sind. Die langfristig gesetzlich garantierten Stromabnahmepreise garnatierten ein dauerhaftes und gesichertes Ertragsniveau. In einer Beispielrechnung für einen zehnprozentigen Anteil an einer Waldmössinger Windkraftanlage wird so kalkuliert: Kaufpreis des Anteils plus Kaufnebenkosten: 207 000 Mark bei einem Eigenkapitaleinsatz von 57 000 Mark und einer Kreditaufnahme von 150 000 Mark.

Laut Windgutachten kann mit einem monatlichen Stromeinspeise-Erlös von 1700 Mark, abzüglich zehn Prozent Sicherheitsabschläge, gerechnet werden. Für die Abzahlung des Kredits werden sechs Prozent aus 150 000 Mark bei 100-prozentiger Auszahlung (zehnjährige Zinsfestschreibung) 750 Mark angesetzt, für die Betriebskosten 320 Mark, für die Darlehenstilgung 440 Mark. Das macht einen monatlichen Gesamtüberschuss von 343 Mark.

Doch das Unternehmen macht noch eine ganz andere Rechnung auf - die Umweltbilanz. So lässt sich mit einer Windkraftanlage während einer 20-jährigen Nutzungszeit annähernd 100-mal so viel Energie gewinnen, wie für ihre Herstellung, Nutzung und Entsorgung verbraucht wird. Bei konventionellen Kraftwerken betrage dieser so genannte "Erntefaktor" nur 0,3 bis 0,4 - weil während des Betriebes ständig Energie in Form von Rohstoffen zugeführt werden müsse. Die Natenco hat ausgerechnet, dass nach wenigen Monaten eine Windturbine bereits ein Mehrfaches der für ihre Herstellung, Betrieb und Entsorgung benötigten Energie selbst erzeugt hat.

Und dass jede Kilowattstunde Strom aus Windenergie sämtliche, sonst bei der Verbrennung fossiler Energieträger entstehenden Schadstoffe zur Luftverschmutzung spart. Der Windpark Waldmössingen spart gegenüber einem Braunkohlekraftwerk jährlich 6000 Tonnen Kohlendioxid, 40 000 Kilogramm Schwefeldioxid, 15 800 Kilogramm Stickoxide, 4800 Kilogramm Kohlenmonoxid und 1000 Kilogramm Staub.

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