Beim letzten Auftritt fließen oft Tränen

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RAVENSBURG - Seit Anfang Januar laufen die Proben des Ravensburger Rutentheaters für das Stück "Ali Baba und die 41 Räuber". Die "Schwäbische Zeitung" schaute bei einer Probe hinter die Kulissen und erfuhr, was Schülerinnen und Schüler am jährlichen Rutentheater fasziniert und wie sie mit der Anspannung vor den Auftritten umgehen.

"Es ist immer sehr schön, bekannte Gesichter wieder zu sehen", meint Dieter Kiderlen, der zweite Vorsitzende der Rutenfestkommission. Und viele vertraute Gesichter hat er auch entdeckt - beim diesjährigen Casting für das Rutentheater. Rund 250 Jungen und Mädchen der Ravensburger Schulen bewarben sich dieses Jahr wieder für eine der Rollen des Theaterstücks "Ali Baba und die 41 Räuber".

Nach einem strengen Auswahlverfahren mit Sprach- und Gesangsübungen sank die Zahl auf 104 mitwirkende Schülerinnen und Schüler im Alter von sechs bis achtzehn Jahren. Vierzig Prozent davon sind "alte Hasen" in diesem Geschäft. Einige der jungen Schauspieler sind bereits zum zehnten Mal am Rutentheater beteiligt.

Die 13-jährige Eva Zeugner und die elf Jahre alte Lara Arndt sind durch das Rutentheater sogar beste Freundinnen geworden. Sie verfolgen durch die jährlichen Auftritte ein großes Ziel: Später einmal berühmte Schauspielerinnen zu werden.

Kinder gehen in ihrer Rolle auf

Die Stimmung bei den Proben unter den Schülern sowie zwischen Regisseur Bodo Klose und seinen Schützlingen ist äußerst freundschaftlich. Man merkt, wie die Kinder in ihrer Rolle regelrecht aufgehen. Sie lachen zusammen, motivieren sich gegenseitig und proben hinter der Bühne noch einmal schnell ihre Texte.

Da die vielen Auftritte am Rutenfest für nur eine Besetzung zu stressig werden würden, haben sich die Schülerinnen und Schüler, wie jedes Jahr, in zwei vollständig besetzte Gruppen eingeteilt. Während die einen proben, warten die anderen ruhig und gespannt auf den Publikumsplätzen und schauen sich auch, so manches Mal, eine gute Bewegung, eine besondere Mimik oder einen perfekt hysterischen Tonfall von der anderen Gruppe ab.

Noch sind die Jungen und Mädchen entspannt und gelassen, jedoch steigt die Anspannung und die Nervosität mit jeder Probe. Die meisten der Schauspieler sind kurz vor dem ersten Auftritt unglaublich aufgeregt.

Auch drei der Hauptrollen, besetzt von Christian Hellrigl (Ali Baba), Pablo-Miguel Konrad y Ruopp (Räuberhauptmann Aldente) und Lennart Volz (Zaziki) sind sich einig, dass sich die vielen Stunden, die sie in Proben investieren müssen, jedes Jahr lohnen. Nach nur ein paar Minuten auf der Bühne kann ihnen die Nervosität nichts mehr anhaben.

Da die Schülerinnen und Schüler über die lange Zeit eng zusammenwachsen, gibt es beim letzten Auftritt auch oft Tränen, wie Lennart Volz lächelnd berichtet: "Bei der letzten Aufführung heulen die Mädchen wirklich jedes Mal aufs Neue."

Auf die Frage, weshalb der Ansturm auf die 960 Karten jährlich immer wieder so groß ist, erklärt Dieter Kiderlen: "Das Rutentheater ist Tradition in Ravensburg. Ein Rutenfest ohne Rutentheater ist für viele unvorstellbar. Es würde etwas fehlen und wäre einfach nicht dasselbe."

Die Vorbereitungen sind in den letzten Zügen, denn am Dienstag, 1. Juli, beginnt der Vorverkauf ab 8 Uhr in der Tourist Information Ravensburg. Eine Karte zum Preis von sechs bis neun Euro (je nach Sitzplatz) lohnt sich nicht nur wegen der atemberaubenden Kulissen und Kostüme, sondern auch wegen der vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter, die den jungen Schauspielern seit Januar geduldig und motivierend zur Seite stehen - als Souffleusen sind das Dorle Günther und Karl Ott, für die Choreographie der Tänze ist Berna Uythof zuständig und das Bühnenbild gestaltete Peter Kohler.

Ab 2. Juli werden auch telefonische Reservierungen entgegengenommen, und am 11. und 12. Juli finden um 17 Uhr die Premieren im Konzerthaus statt.

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