Schindler macht Mörikes Gedichte lebendig

Lesedauer: 5 Min

"Rosenzeit - Liebesleid": Die Rose als Symbol der Liebe ist des Dichters schönstes Bild. Peter Schindler und Sandra Hartmann haben diesen Titel für ihr Programm gewählt, das bekannte Gedichte deutscher Autoren in moderne Kompositionen verwandelt - und das Publikum am Samstagabend in der Villa Rot verzauberte.

"Rosenzeit! wie schnell vorbei,

bist du doch gegangen..."

Nicht nur Eduard Mörike bedauerte die Kurzlebigkeit der duftenden Schönheiten. Auch die Besucher der Villa Rot, die sich am vergangenen Samstagabend dort eingefunden hatten, bedauerten, wie schnell 100 Minuten vergehen können.

Peter Schindler, in Laupheim durch sein Kindermusical"Max und die Käseband" bestens bekannt, zauberte mit Sängerin Sandra Hartmann eine Atmosphäre, die den Zuhörer sofort in ihren Bann zog. "Rosenzeit - Liebesleid" war das Motto des Chansonabends nach Liebesgedichten. Schindler hat es sich dabei zur Aufgabe gemacht, bekannte deutsche Liebesgedichte in Lieder zu fassen. Seine vorwiegend jazzigen Kompositionen überzeugten, nicht zuletzt durch Sandra Hartmanns eindrucksvolle Stimme und ihr faszinierendes Mienenspiel.

"Lassen sie sich von der Muse küssen." Mit diesem Satz stieg das Duo in sein Programm ein, den Zuhörer zunächst im Unklaren lassend, um welche Gedichte es sich eigentlich handelt. Das war jedoch fast nebensächlich, denn wenn Hartmann zu singen beginnt, fesselt sie ihr Publikum. Hartmann singt keine Texte, sie erzählt Geschichten. Und das tut sie so lebendig, als ob es ihre eigenen wären. Mal gehaucht, sanft, zärtlich und leise, mal wild und feurig. Teilweise verfällt sie in einen Sprachgesang, um im nächsten Moment auf brillante Art und Weise die schönsten Melodien zu zaubern. Schindler ist derweilen nicht weniger präsent: Sein einfühlsames Klavierspiel begleitet und ist gleichzeitig so prägnant, dass Klavier und Gesang eins werden können.

Sei es Eduard Mörike oder Heinrich Heine, Friedrich von Schiller oder Johann Wolfgang von Goethe - Schindlers musikalische Interpretationen der Texte überraschen und bezaubern. Walter von der Vogelweides "Unter der Linden" in neudeutscher Fassung wird zur Zigeunerweise, wobei Hartmanns Gestik von verzehrender Sehnsucht erzählt. Ebenso kraft- wie liebevoll gestaltet das Duo Paul Flemings "Wie er wolle geküsset sein", eine Anleitung zum Küssen, die vielleicht der eine oder andere Zuhörer in der Pause beherzigte. Zuvor aber durfte das Publikum eine swingige Bluesversion von Heinrich Heines Rheinschönheit, der "Loreley", genießen.

Die Holde und die Hexe

Dass Eduard Mörike auf alle Art und Weisen interpretiert werden kann, bewies Hartmann mit Perfektion: "Zwei Liebchen" besang sie voll zärtlicher Hingabe, in "Die Tochter der Heide" verwandelte sie sich in die fauchende rachsüchtige böse Hexe, deren Vortrag von gehetzten atonalen Läufen von Schindler am Flügel untermalt wurde.

Nicht einmal die Zugabe, eine sehr einfühlsame Interpretation des Volksliedes "Der Mond ist aufgegangen" zeigte irgendwelche Anzeichen von Müdigkeit. Das Publikum dankte Peter Schindler und Sandra Hartmann ihre Vorstellung mit einem lang anhaltenden Applaus, der die beiden noch dreimal auf die Bühne holte, bevor der Schlussakkord erklang.

Kommentare werden geladen