Studierende zeigen Shakespeare-Stücke in Opernform

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TROSSINGEN - Um drei Werke Shakespeares ging es am Samstagabend bei der zweiten Opernwerkstatt der Musikhochschule: Doch nur einige der 15 jungen Sänger und Sängerinnen konnten das Publikum wirklich begeistern.

Besonders viel Applaus erhielten Stefanie Sauter und Livia Kretschmann in ihren Rollen als Frau Fluth und Frau Reich, den beiden "lustigen Weibern von Windsor". Köstliche Szenen spielen sich hier zwischen zum Trocknen aufgehängter Wäsche ab. Aber auch der Verehrer der beiden, der narzisstische Sir John Falstaff, wurde hervorragend personifiziert: Kwang-Ho Choi schlüpfte perfekt in die Rolle des selbstgefälligen Macho: Er überzeugte, ob bei seinem Selbstlob-Lied oder in dem urkomischen Buffo-Duett mit Jochen Schmid.

Sehr anmutig wirkte die Arie der Anna, der umschwärmten Tochter des Ehepaars Reich. Lisa-Maria Samardzic, an dem Tag gerade 27 Jahre alt, bezauberte mit ihrer Arie rund um die erhoffte Hochzeit ebenso wie mit dem Duettino mit ihrem geliebten Fenton (Young-O Na). Der zeigte sich in dieser Rolle ebenso einfühlsam wie bei seinen anderen Auftritten, jedes Mal als jugendlicher Liebhaber: als Lucenzio, der schmachtende Freier der bildhübschen Bianca (Mirjam Bauer) in "Der Widerspenstigen Zähmung" und als Lysander, Verehrer der Hermia (Livia Kretschmann) im auf Englisch gesungenen "Sommernachtstraum".

Selbst wenn die Szenen aus diesen beiden Opern einige Glanzpunkte hatten, wie Ji-Young Jos noch ungezähmte Katharina und die verzweifelten Liebesbeweise der unglücklichen Helena (Young-A Son), so wirkten sie doch etwas unfertig. Von Oberons Gesangsbeiträgen kamen zum Beispiel nur die Vokale in den Zuhörerreihen an. Auch die Szenen aus dem Musical "Kiss me Kate" waren eher turbulent als wirklich ausgereift, trotz der interessanten Steppeinlage von Alena Messer.

Singen und Spielen ist schwer

Die Opernwerkstatt zeigte, wie ungleich viel schwieriger es ist, überzeugend zu singen, während man auf einer Leiter steht, sich gerade an- oder auszieht oder unter einem Tisch hervorgezogen wird, als bei einem Vortrag im Rahmen eines Konzerts. Sicher eine gute Erfahrung für die Studierenden.

Der Applaus galt auch den Pianisten und musikalischen Leitern, Prof. Willem Wentzel und Jan Henning sowie Huba Santha, der auf der Celesta für charmante Glockentöne sorgte. Zu erwähnen sind auch die größtenteils gelungenen Kostüme und Jonathan Dauermanns enormes komisches Talent, das er besonders als aggressiver Dr. Cajus unter Beweis stellen konnte. Ganz schlechte Noten dagegen gibt es für die Beleuchtung. Wenn diese in professionelle Hände käme, könnte man sich eine Vollversion der "Lustigen Weiber" in dieser Besetzung durchaus als zukünftiges Trossinger Prachtstück vorstellen.

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