Ein parteiloser Bürgermeister tritt in Leutkirch an

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LEUTKIRCH - Dies ist der dritte Kandidat: Ein parteiloser Rathauschef will neuer Leutkircher Oberbürgermeister werden. Mit dem 44-jährigen Hans-Jörg Henle aus Haiterbach im Landkreis Calw bewirbt sich ein kommunalpolitisch erfahrener Bürgermeister um die Nachfolge von Elmar Stegmann.

Seit gut zehn Jahren lenkt Hans-Jörg Henle die Geschicke des aufstrebenden Schwarzwaldstädtchens. Haiterbach zählt knapp 6000 Einwohner, Leutkirch mit seinen 22 000 Einwohnern ist also dreimal größer - dennoch erkennt Henle Gemeinsamkeiten, spricht mit Blick auf Leutkirchs Ortschaften von "vertrauten Strukturen, die ich schätze und mit denen ich etwas anzufangen weiß".

Warum will Hans-Jörg Henle nach Leutkirch wechseln? "Weil ich mich jetzt reif und erfahren genug fühle, die oberste Stufe auf meinem beruflichen Weg zu erklimmen - das Führen einer Großen Kreisstadt. Und weil es meiner Familie und mir in Leutkirch bestens gefällt - sehr gerne würden wir hier leben und heimisch werden." Weitere Karriereschritte schließt Hans-Jörg Henle aus: "Weder meine Familie noch ich haben Lust, alle paar Jahre umzuziehen. Außerdem fehlt mir für eine politische Karriere das Parteibuch."

Auch wenn Henle seit neun Jahren der CDU-Fraktion im Calwer Kreistag angehört, ist er immer parteilos geblieben, "weil ich mit Vertretern anderer Parteien genauso gut können möchte. Im Kommunalen soll es einzig um die Sache gehen, nicht um Ideologien."

Leitete Umweltamt in Rottenburg

Den Vorbereitungsdienst für den höheren Dienst absolvierte der Hobbysportler (Laufen, Radfahren, Bergwandern, Ski) von 1992 bis 1994 im Ministerium Ländlicher Raum in Stuttgart. Nach der abschließenden, großen Staatsprüfung arbeitete er ein Jahr lang für ein Forschungsprojekt des Bundeslandwirtschaftsministerium. 1995 wechselte Hans-Jörg Henle in die Domstadt Rottenburg am Neckar, wo der gebürtige Leutkircher Georg Moser über 17 Jahre als Bischof residierte. Von 1995 bis 1998 leitete Henle das Umweltamt der Großen Kreisstadt, bis Haiterbach ihn zum Bürgermeister - und nach acht Jahren wieder - wählte.

Die Stadt Haiterbach umfasst neben ihrem Hauptort vier Teilorte. Von Anfang an achtete Hans-Jörg Henle auf Stadtteilgerechtigkeit. "Keine Ortschaft soll fürchten müssen, sie komme zu kurz", würde der 44-jährige Rathauschef bei seiner Wahl zum OB auch in Leutkirch "Sorge tragen für einen fairen Ausgleich der Interessen". Dies sicherte er bereits allen acht Ortsvorstehern zu, mit denen er sich an Fronleichnam traf, noch ehe er seine Bewerbungsunterlagen im Leutkircher Rathaus einreichte.

Auch die Vokabeln Standortmarketing und Wirtschaftsförderung sind Bürgermeister Henle nicht fremd. Nachdem Haiterbach besonders stark vom Einbruch in der Möbelbranche betroffen war, gelang seit Henles Amtsantritt ein erfolgreicher Strukturwandel. "Einige ansässige Betriebe wuchsen kräftig, zusätzliche Unternehmen konnten angesiedelt werden", sagt Henle. Obwohl nicht sonderlich verkehrsgünstig gelegen, weise Haiterbach heute einen ausgeglichenen Pendlersaldo aus.

"Ich habe kein Wahlprogramm, ich möchte mit den Menschen reden. In Haiterbach haben wir derart viel geschafft, weil wir die Menschen mit einbezogen haben", sagt Henle. Unter anderem entstanden so eine Kinder-Uni, ein Bike-Park für Kinder sowie ein "Bündnis für Familie". "Dies geht nur, wenn man viele engagierte Leute zusammenbringt und sie als Kommune dann unterstützt. Das ist für mich moderne Kommunalpolitik."

Um in den kommenden Wochen mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch zu kommen, hat sich Henle in Leutkirch eine Ferienwohnung gemietet, die er ab Donnerstag bewohnt.

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