Stefan Linder pflegt das traditionelle Kirchenbild

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RISSTISSEN - Der von Rißtissen gebürtige Neupriester Stefan Linder hat gestern unter großer Beteiligung der ganzen Gemeinde die erste Messe in seiner Heimatkirche gefeiert. Dem Festzug vom Elternhaus zur Kirche schloss sich ein festliches Hochamt im überfüllten Gotteshaus an.

Mit der Heimatprimiz von Stefan Linder hat die katholische Kirchengemeinde Rißtissen gestern ein ganz seltenes Fest gefeiert. Vor 119 Jahren hat zum letzten Mal ein hier geborener Geistlicher das Fest seiner ersten Messe (prima missa) begangen. Und auch andernorts kommt es nicht mehr oft vor, dass sich junge Leute zu Priestern weihen und anschließend von der Heimatgemeinde feiern lassen. "Wenige von uns haben ein solches Ereignis zuvor erlebt", zeigte sich Musikvereinsvorsitzender Andreas Spleiss beeindruckt, als er Stefan Linder bei der nachmittäglichen Gemeindefeier in der Römerhalle im Namen der Rißtissener Vereine gratulierte. Ortsvorsteher Siegfried Hummel schwärmte: "Wir Rißtissener können stolz sein, nach fast 120 Jahren wieder einen Priester zu haben." Das Primizfest habe die ganze Gemeinde bewegt, fügte Hummel hinzu und dankte Vereinen und Bürgern fürs Mitmachen. Das ganze Dorf schien auf den Beinen.

Aber nicht nur die Rißtissener feierten mit ihrem jungen Priester einen großen Tag, sondern auch viele junge Leute in der Uniform der Katholischen Pfadfinderschaft Europas und Geistliche der Kongregation der "Diener Jesu und Mariens". Stefan Linder ist Mitglied der vor 20 Jahren aus der genannten Pfadfinderschaft hervorgegangenen Ordensgemeinschaft. Diese pflegt ein ausgesprochen traditionelles Verständnis von Glaube und Kirche. Die Liturgie wird in der tridentinischen Form gefeiert. Dazu tragen die Geistlichen Messgewänder, die vor dem zweiten Vatikanischen Konzil allgemein üblich waren, heute aber nicht mehr in jedem Sakristeischrank zu finden sind. Goldbrokat zierte gestern nicht nur den Primizianten, sondern auch Pfarrer Dr. Harald Talgner und die beiden assistierenden Diakone.

Ein prächtiger Festzug geleitete Stefan Linder am Vormittag vom Elternhaus zur Kirche. Voran zog eine Reitergruppe. Mit klingendem Spiel folgte die Musikkapelle Rißtissen. Der Primiziant und seine Eltern Anton und Brunhilde Linder fuhren in einer von zwei Schimmeln gezogenen Kutsche. Dahinter gingen Geistliche, Pfadfinder, Verwandte, Bekannte und weitere Gläubige, die am Primizgottesdienst teilnehmen wollten. Die Häuser am Wegrand waren mit Girlanden geschmückt wie sonst an Fronleichnam.

Frühere Pfarrer nehmen teil

Die festlich geschmückte Kirche war bereits voll besetzt, als der Zug dort ankam und Pfarrer Dr. Harald Talgner wie auch seine Vorgänger Lukjan Widcz und Benno Kurz den Neupriester begrüßten. Damit alle das Geschehen in der Kirche mitverfolgen konnten, waren im Freien Lautsprecher aufgestellt. Im Gemeindehaus Arche konnte man per Videoübertragung am Gottesdienst teilnehmen.

Dass die Katholische Pfadfinderschaft weit mehr kann als Gelände erkunden, zeigte sich bei der musikalischen Umrahmung der Primiz. Unter der Leitung von Florian Birle unterstrich der Bundessingkreis der Pfadfinder samt Orchester die Festlichkeit des Gottesdienstes mit Josef Haydns pompöser "Heiligmesse".

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