Schmucke Schönheiten bereichern das Fest

Lesedauer: 5 Min

LINDAU - Pünktlich zum Osterfest haben sich viele Ehrenamtliche ins Zeug gelegt und die Brunnen in und um Lindau prächtig geschmückt. Eine ursprünglich fränkische Tradition ist im Landkreis heimisch geworden und steigert bereits einige Wochen vor Ostern die Vorfreude.

"Unser Brunnenschmuck ist eher schlicht und einfach", sagt Elke Bolsinger. Dass sie sich mit ihrer Aussage auf den wunderschön geschmückten Christophorusbrunnen in Zech bezieht, mag man ihr kaum glauben. Bögen und Kränze leuchten in sattem grün, dazwischen blitzen hunderte von bunt bemalten Eiern. Etwa eine Woche vor Palmsonntag verpassen die Damen des Zecher Frauentreffs dem Brunnen sein österliches Gewand. "Dann sieht er schön festlich aus", sagt Bolsinger. Schließlich beginne am Brunnen immer die Palmsonntagsprozession.

Seit mehr als zehn Jahren schmückt der Frauentreff den Brunnen. Mittlerweile sind sie ein eingespieltes Team und bewältigen die Arbeit an einem Nachmittag. Elke Bolsinger ist froh, dass der Osterschmuck bislang von Vandalen verschont geblieben ist. "Wir haben Nachbarn, die ein wachsames Auge darauf haben."

Bunte Eier trotzen dem Wetter

In der Regel können auch verschiedenste Witterungsverhältnisse den prächtig geschmückten Osterbrunnen in und um Lindau nichts anhaben. Die Konstruktionen an den Brunnen sind stabil, die Eier aus Kunststoff und mit wetterfester Farbe bemalt. Viele Spaziergänger flanieren an den schmucken Schönheiten vorbei, bleiben ein Weilchen stehen und freuen sich an der Osterpracht.

"Einige können der Versuchung nicht widerstehen und testen, ob die Eier echt sind", verrät Hedwig Brustscher, die gemeinsam mit fünf anderen Frauen den Brunnen vor der Bösenreutiner Kirche geschmückt hat. Hauptsächlich Männer unterzögen das Material einem Greiftest, sagt sie mit einem schelmischen Lächeln. Wie sie auf die Idee kam, den Brunnen vor Ostern zu verschönern, weiß Hedwig Brutscher noch ganz genau: "Bei einem Kaffeekränzchen stellten wir fest, dass der Brunnen so nackt aussieht, und beschlossen das zu ändern."Seither sind mehr als zehn Jahre vergangen, in denen mehrere Eierketten, Eierringe, Buchsbäume und Primeln den Brunnen in voller Pracht erstrahlen lassen.

"Die Idee, Brunnen österlich zu schmücken kam in der Biedermeierzeit in Franken und der Fränkischen Schweiz auf", erklärt Ortsheimatpfleger Werner Dorbas. "Brunnen hatten in Zeiten vor der modernen Wasserversorgung einen hohen Stellenwert im täglichen Leben." Wenn sie im Frühjahr vom Schmutz des Herbstes und Winters gereinigt waren, wurde sie herausgeputzt und mit Eiern und anderem Schmuck dekoriert. "Wasser und Eier sind in der christlichen Kultur Symbole des Lebens", sagt Dobras. "Damit erklärt sich die Art des Schmuckes von allein. Denn Ostern ist ja das Fest der Auferstehung."

Vor etwa zwölf Jahren breitete sich der fränkische Brauch auch in Lindau aus. Seither wird der achteckige Brunnen in Hoyren jedes Jahr nach dieser Tradition gestaltet. Inspiriert von einer Urlaubsreise, trug die ehemalige Bürgermeisterin Paula Seberich den Brauch nach Hoyren. "Sie hat uns mit ihrer Begeisterung angesteckt", sagt Christel Jeschke. Sie sorgt auch nach dem Tod von Paula Seberich mit etwa 20 Frauen des Turnvereins Hoyren, dass die liebgewonnene Tradition fortgeführt wird. Buchs-kränze und Ketten mit etwa 850 handbemalten Ostereiern zieren auch in diesem Jahr den Dorfbrunnen.

Am Brunnen der Leonhardskapelle in Schachen steigern etwa 50 Eier die Vorfreude auf Ostern. Wie Elisabeth Sodeur und ihre Nachbarin Elfriede Ferri auf die Idee kamen, bringt Sodeur pragmatisch auf den Punkt: "Wir dachten, es wäre nett, wenn da auch was dran ist." Klein aber fein leuchtet der Osterschmuck in Bad Schachen und entpuppt sich, wie alle Osterbrunnen im Kreis Lindau, zum Magnet für viele Spaziergänger.

Kommentare werden geladen