Andreasch: Rechtsradikale Ideen finden sich auch in bürgerlichen Kreisen

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Zwei Tage vor dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus hat der Sozialwissenschaftler Robert Andreasch am Freitag in der Molke die rechte Szene in der Region beleuchtet. Rund 100 Zuhörer kamen. Die "Wölfe im Schafspelz" selbst, wie Ardreasch -Neonazis nennt, zogen wieder ab. Die Veranstaltung verlief friedlich.

Etwa zehn Neonazis hatten sich nach Angaben der Polizei vor der Veranstaltung rund ums Häfler Jugendzentrum aufgehalten. Wie sie gekommen waren, verschwanden sie wieder. Nur einer, der führende Kopf der rechten Szene, suchte das Gespräch mit der Polizei und wollte möglichst viele Infos über die geplante Demonstration der Antifa herausbekommen, wie es seitens der Polizei hieß.

Amerika diffamieren

Unterdessen nahm Robert Andreasch das Thema "Rechtsextremismus in der Region - Wölfe im Schafspelz" unter die Lupe. Bereits in der Einführung machte der Soziologe klar, dass extreme Rechte auch aus der Mitte der Gesellschaft kämen.

Anders gesagt: Radikale Ideen fänden sich auch in bürgerlichen Kreisen, was ein Blick in den Süden Deutschlands beweise. So gehörten der Wehrsportgruppe Süd, die der rechten Szene zuzuordnen sei, auch ein ehemaliger Fallschirmspringer der Bundeswehr an, der heute als honoriger Bürger für Asylbewerber zuständig sei.

Wer bei Rechtsgesinnten nur an Glatzen, Springerstiefel und Bomberjacken denkt, liege falsch, sagte Andreasch.-Heute treten Neonazis in vielerlei Varianten auf. Da gehöre der rote Irokesenschnitt genau so dazu wie die Tatsache, Englisch zu formulieren wie etwa "Action Crew", einem Aufdruck auf dem Rücken eines T-Shirts.

So unterschiedlich das Auftreten ist, so verbinde die Rechten jedenfalls eines: ein unerbittlicher Hass auf Amerika. Ziel sei es, Amerika zu diffamieren, meist gänzlich ohne Argumente, sagte der Sozialwissenschaftler. Dadurch erhofften sich die Rechten viel Zulauf.

Welche Verwüstung die rechte Szene auf jüdischen Friedhöfen anrichtete, zeige die Statistik. So seien 150 jüdische Friedhöfe in den vergangenen Jahren von Neonazis in Baden-Württemberg zerstört beziehungsweise beschädigt worden, sagte Andreasch zwei Tage vor dem bundesweiten Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus.

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