Riesenvogel erhebt sich eindrucksvoll

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FRIEDRICHSHAFEN - Wie jeden Herbst haben MTU, EADS, Dornier Consulting und regionale Mercedes Benz-Niederlassungen zum traditionellen Mitarbeiterkonzert eingeladen. Als Besonderheit des Konzerts mit Werken des ungarischen Komponisten Frigyes Hidas haben die Zuhörer nicht nur dessen Requiem erlebt, sondern auch eine ungewöhnliche Uraufführung.

Die Uraufführung einer zeitgenössischen Komposition, und das noch für Blasorchester? Wie Franz Peraus von EADS in seiner Begrüßung sagte, gehöre etwas Mut dazu, dabei zu sein. Wer den Mut hatte, wurde reich beschenkt. Das Bläserensemble der MTU Friedrichshafen setzte ein, man hörte wohlige Wellen schaukeln, fühlte sich in eine mitreißende Bewegung hineingezogen, emporgehoben - da mischte sich eine wohlbekannte Melodie hinein, und schon rumpelte man in witzigen Variationen mit der "schwäb'sche Eisebahne" dahin, erhob sich wieder wie ein majestätischer Vogel, um bald der "Fischerin vom Bodensee" zu begegnen. Ein beschwingter Walzer animierte zum Tanzen, man geriet in kleine Turbulenzen, doch da holte einen das Hasenkleelied ein: "Seehas ist da!"

Ungar zeigt Bodensee-Kolorit

Wie ist ein ungarischer Komponist auf dieses Bodensee-Kolorit gekommen? Da haben MTU und EADS mit Informationen und Liedern aus der Region nachgeholfen. Hidas hat seine Komposition, die am Sonntagabend vor vollem Haus uraufgeführt wurde, "Dornier Do X" genannt: Der Riesenvogel hatte es ihm angetan, ihn hört man aufsteigen und schweben. Die Verbindung zu Hidas war auf zweierlei Wegen zustande gekommen: Die Stockacher Stadtmusik wollte mit den Musikfreunden Markdorf Hidas' Requiem von 1996 aufführen, Reiner Hobe, der Leiter des MTU-Bläserensembles hatte Hidas auf einer Requiem-Tournee begleitet und seine Diplomarbeit darüber geschrieben. Wie Michael Buchwalsky als Organisator des Konzerts berichtete, stellte Hobe den Kontakt zum Komponisten her, der im März verstarb und die Uraufführung seiner letzten Kompositionen nicht mehr hören durfte.

Für die Musikfreunde Markdorf und ihren Leiter Uli Vollmer hatte Hidas ein Ave Maria und ein Pater Noster geschrieben, beide Werke führten von der "Do X" in den sakralen Bereich. Hidas war ein Zeitgenosse, aber er fühlte sich als Romantiker, seine Tonsprache verbindet auf eigene Weise Stilmerkmale aus Barock, Klassik und Romantik wie aus U-Musik. So war sein Ave Maria ungemein zart und innig, energischer sein "Paternoster", ein Genuss die klare, schnörkellose Tonsprache.

Das Hauptwerk des Abends war schon tags zuvor in Markdorf aufgeführt worden. Die vereinigten Chöre der Musikfreunde Markdorf und der BSG Dornier sowie die Stadtmusik Stockach mit der BSG Dornier Instrumentalmusik sangen und spielten unter der Leitung von Uli Vollmer das Requiem, das weniger die Schrecken als die innigen Bitten um Erlösung hervorhebt. Wunderbar lyrisch strömten die Chorstimmen, sehr harmonisch verbanden sich die Solisten, die Sopranistin Ina Gersak, die Altistin Ulrike Clausen, Tenor Ulrich Köberle und Bassist Holger Ohlmann. Im Dialog mit dem mächtigen Chor und dem brillanten sinfonischen Blasorchester entstand ein tief berührendes Gesamtkunstwerk.

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