"Es wird für beide nicht angenehm"

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FRIEDRICHSHAFEN - Ring frei heißt es heute ab 20 Uhr im Rahmen des Vergleichskampfs zwischen dem BC Wangen und dem BC Singen in der Alten Sporthalle in Wangen auch für zwei der herausragenden Akteure der hiesigen Boxszene: Christian Wallot und Valeri Quade, Trainer des VfB, treten das erste und wohl das letzte Mal gegeneinander an.

Valeri Quade wirkt nachdenklich. Nicht aufgeregt wie früher, wie der 37-Jährige beteuert, eher hochkonzentriert. Der Trainer des VfB Friedrichshafen weiß, was auf ihn zukommt. Was kein Nachteil sein muss. "Du musst die richtige Einstellung finden. Ich schaue mir das wieder ein, zwei Runden an, dann kommt der Plan." Valeri Quade grinst. "Was für den Gegner unbequem ist, darauf baut man auf." Als Valeri Dowschenko holte er 2002 im Sindelfinger Glaspalast Bronze im Mittelgewicht für den VfB bei den Deutschen Meisterschaften. Als Valeri Quade wurde er kurz darauf für die Häfler Wahl zum Sportler des Jahres nominiert. Der ehemalige Zweitligaboxer des BC Singen nahm den Namen seines Vaters Leopold an, der der deutschen Armee angehörte.

Aus Sibirien kommend ließ sich Dowschenko in Westfalen nieder und wurde dort fünfmal Landesmeister und einmal Westdeutscher Meister. Über Wangen, wo er etwa alleine 1997 26 Mal für den dortigen BC in den Ring kletterte, zog es ihn nach Friedrichshafen. In Württemberg folgten drei Titel sowie eine Süddeutsche Meisterschaft, ehe sich mit DM-Bronze der Höhepunkt in der sportlichen Karriere einstellte.

Heute in Wangen bestreitet Quade seinen 144. Kampf (103 Siege), seinen letzten Amateurkampf in Deutschland, der über fünfmal zwei Minuten gehen wird. Am 8. Dezember wird in Dornbirn der 145. folgen, dann ist altersbedingt Schluss. Allerdings nur bei den olympischen Boxern. "Im Mai unternehme ich den vierten Versuch, einen Profikampf zu bestreiten.", so Quade. Ob es diesmal klappt, nach Verletzungen und Differenzen mit seinem Trainer Gerd Drabsch? Quade grinst nur. "Wenn er in Wangen verliert, bin ich sowieso nicht mehr dabei", sagt Drabsch. Der 68-Jährige plant - im Siegesfall - mit seinem Schützling im Mai einen "professionellen Auftritt" in Rom.

Zwei Rechtsausleger

Heute in Wangen nimmt Christian Wallot mit seinem 164. Kampf seinen Abschied vom olympischen Boxen. Der 29-Jährige dürfte ebenfalls ins Profilager wechseln, dies will der gebürtige Memminger aber erst nach dem Kampf verkünden. Wallot wurde fünfmal Württembergischer Meister, zweimal Süddeutscher Meister sowie Zweiter und Dritter der DM (1996 mit einer Punkteniederlage gegen Sven Ottke). Nach seinem Wechsel zum Bundesligisten Velbert wurde Wallot, mittlerweile auch Boxer des deutschen Nationalteams, noch zweimal Westdeutscher Meister und wurde außerdem zum Mister Ruhrgebiet 2003 gekürt.

Christian Wallot, der Versicherungskaufmann, und Valeri Quade, der Transportunternehmer, treffen am heutigen Abend, der unter dem Motto "Boxen statt Gewalt" steht, das erste Mal aufeinander. Beide sind Rechtsausleger, vielleicht wirkte Quade auch deshalb so nachdenklich. "Es wird für beide nicht angenehm. Und Christian wird sich nichts gefallen lassen, er wird sich schließlich in Wangen, wo er aufgewachsen ist, nicht blamieren wollen." Quade selbst sagt, mit der Zeit etwas langsamer geworden zu sein, "aber ich weiß damit auch, wann ich Gas geben kann und wann ich eine Pause machen muss", so der Familienvater, dem seine Frau Lena wie auch Tochter Nicole (12) und Sohn Leon (10) die Daumen drücken werden. Vor allem Leon: "Ich habe mir im Keller einen Raum eingerichtet, mit Kickertisch und Pokalen. Wenn seine Freunde kommen, ist er schon stolz darauf, sie zeigen zu können", sagt der stolze Vater. Und grinst.

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