Weiter Wirbel um Arp-Verein

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Der Skandal um Dauerleihgaben für das neue Arp-Museum in Remagen (Rheinland-Pfalz) weitet sich aus. Die rheinland-pfälzische SPD-Regierung gestand ein, dass der Arp-Verein auch noch mehr Kunstwerke heimlich verkauft haben könnte als bislang angegeben.

Kulturstaatssekretär Joachim Hofmann-Göttig (SPD) hatte kürzlich erklärt, der private Verein habe 14 Werke veräußert, die zum Grundstock des Museums gehörten. Am Donnerstag sagte der Politiker im Mainzer Landtag, der Rechtsanwalt des Vereins habe ihm von 14 verkauften Werken geschrieben und hinzugefügt: „Soweit ich dies bisher übersehen kann.“

Dies lässt nach Hofmann-Göttigs Worten vermuten, dass noch mehr vertraglich zugesagte Werke fehlen könnten. Bei der verkauften Kunst handele es sich zudem möglicherweise um „zentrale Werke“ von hohem Wert. Die veräußerten Werke sollen Teil einer Liste mit 248 Dauerleihgaben gewesen sein, die Land und Verein 2005 mit Blick auf den gemeinsamen Betrieb des Museums vertraglich beschlossen hatten. Nach Darstellung des Vereins ist die Liste indes gar nicht verbindlich. Die Verkäufe begründete dieser mit der Begleichung von Schulden. Das Land wird nun nach Aussage des SPD-Abgeordneten Harald Schweitzer beim Verein „mit geeigneten Mitteln auf Vertragserfüllung hinwirken“ und auch auf ausreichenden Schadenersatz pochen.

Der SPD-Abgeordnete und Kulturausschuss-Vorsitzende Manfred Geis kündigte fürs kommende Jahr zwei besondere Arp-Ausstellungen in dem Museum in Remagen-Rolandseck an. Im Frühjahr solle es eine Schau mit Kunstwerken des Landes und im Herbst eine mit Dauerleihgaben geben.

Der Verein hatte kürzlich mit einem Ende der Zusammenarbeit mit dem Land gedroht, falls das gemeinsam betriebene Museum nicht mehr Geld bekomme. Das neue Arp-Museum in Remagen-Rolandseck war am 28. September eröffnet worden. Dort werden unter anderem Arbeiten des Bildhauers Hans Arp (1886-1966) gezeigt. Der Arp-Verein war wiederholt in die Kritik geraten: So kaufte ihm das Land Mitte der 90er Jahre für zehn Millionen Euro rund 400 Arp-Werke ab. Die Regierung reklamierte dann mehr als 20 Werke, da die Echtheit nicht eindeutig feststand oder es Qualitätsmängel gab. Zudem gibt es eine Debatte über die Frage, ob nach dem Tod eines Künstlers gegossene Skulpturen ausstellungswürdig sind.

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