Diese Leistungen verlangen Respekt

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LINDAU - Auf Einladung des internationalen Konzertvereins und des Rotary-Clubs Friedrichshafen-Lindau sind im Forum am See vier Pianisten zum Wettbewerb um den Jugend-Musikpreis angetreten: Sonaten von Beethoven und Werke der Romantik standen an diesem spannenden Abend auf dem Programm.

Kindergesichter lächeln einen aus dem Programmfolder des veranstaltenden Konzertvereins Bodensee an, Kinder zwischen 12 und 15 Jahren betreten das Podium, doch am Flügel verwandeln sie sich in kleine Persönlichkeiten, denen in diesem Moment nichts anderes am Herzen liegt als Beethovens Sonaten, eine Ballade von Chopin oder einen Feenspuk aus der Feder des ebenfalls hochbegabten Felix Mendelssohn so gut wie möglich zu spielen. Die Jüngste, die zwölfjährige Deutsch-Griechin Kiveli Dörken mit der wilden Lockenmähne und den dunklen Augen, und den stämmigen Robin Giesbrecht mit dem kecken Ring im Ohr kennt man schon von den Meisterkursen mit Karl-Heinz Kämmerling. Die anderen, die zarte Japanerin Yui Yoshioka und der 13-jährige Amadeus M. Wiesensee (der Vorname verpflichtet?) mit den frechen Wirbeln im Haarschopf sind seit September dieses Jahres in dessen Hochbegabtenklasse in Salzburg. Und da die Teilnehmer bei diesem Wettbewerb für Jugendliche unter 18 Jahren immer jünger werden, wurden die Bedingungen geändert: Nicht mehr zwei Auswahlkonzerte mit einem etwas breiteren Repertoire, sondern ein Konzert gibt den Ausschlag für die Preisvergabe.

Im Wettbewerb zählt alles

Wie immer lässt das technische Können der vier staunen, auch die souveräne Selbstverständlichkeit, in der sie die so schwer zu gestaltenden Sonaten Beethovens angehen, gilt es doch hier, tiefe Emotionen, Brüche, Rezitativisches oder brausenden Überschwang in Klänge zu fassen. Müßig scheint es, manche verhuschte Passagen oder übermäßigen Pedalgebrauch anzukreiden oder sich größere Klarheit in einem Werk wie der Sturmsonate zu wünschen. Schon allein die Tatsache, dass sie unterschiedlichste, lange und schwere Stücke in gut 20 Minuten auswendig vortragen, verlangt größten Respekt. Doch im Wettbewerb zählt alles zusammen, technisches Können, musikalische Reife, Phantasie, Nervenstärke, Podiumspräsenz, und die Jury wägt genau ab. Jeanne Mikitka, die Ukrainerin, die dem Konzertverein vor allem durch die Meisterkurse von Boris Kuschnir eng verbunden ist, die Bulgarin Stefka Perifanowa, die an der Musikhochschule Zürich unterrichtet, und Peter Vogel selbst trafen eine ausgewogene Entscheidung. Der erste Preis von 1500 Euro ging an Kiveli Dörken, die mit der Sonate op. 10/1 von Beethoven, dem spritzigen Rondo capriccioso von Mendelssohn und dem rauschenden letzten Prélude von Chopin überzeugt hatte. Robin Giesbrecht erhielt den zweiten Preis von 1000 Euro sowie den Publikumspreis von 250 Euro. Amadeus Wiesensee und Yui Yoshioka teilen sich den dritten Platz mit je 500 Euro.

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