OSTRACH (rsp) - Wirnsweiler feiert am 8. Juli sein 900- jähriges Bestehen. Ein erstaunliches Jubiläum für die Ansiedlung des kleinen Ortes abseits der Straße Ostrach - Bad Saulgau, die während ihrer langen Geschichte bis heute kaum mehr als 16 Einwohner zählte.

Von unserem Mitarbeiter Rainer Spendel

Vor 900 Jahren, am 21. April 1101, wurde in Schaffhausen eine Urkunde

ausgestellt, die unter anderem von Adelberti de Werenswilare bezeugt wurde. Man weiß heute, dass sich die Zeugen nach den Ortschaften ihrer Herkunft nannten. Adelbert kam demnach aus Wirnsweiler. Da er ein eigenes Siegel besaß, kann man annehmen, dass er in einer Niederburg wohnte, um die sich mehrere Häuser gruppierten, die man lateinisch villare = Weiler nannte.

Wirnsweiler wechselte im Laufe der Jahrhunderte mehrfach den Besitzer. Zunächst waren die Klöster von Salem und Schaffhausen, später Truchsessen und Fürsten die Eigentümer. Erstaunlicherweise war Wirnsweiler über Jahrhunderte hinweg immer Zankapfel verschiedener Herrscher. Da es nie zu einer gütlichen Einigung über die Besitzverhältnisse kam, war Wirnsweiler stets eine Exklave. So gehörte die Gehöftegruppe 1827 zum württembergischen Oberamt Saulgau, was auch die Preußen 1875 nicht ändern konnten.

Auch Bemühungen im 20.Jahrhundert, die Exklave hohenzollerischem Gebiet beizuordnen, misslangen. Erst die Gemeindereform von 1978 beendete den Exklaven-Zustand. Wirnsweiler war nun Teilort der Teilgemeinde Tafertsweiler und damit Bestandteil der Gemeinde Ostrach.

Die vier Wirnsweiler Familien erbauten mitten im 1. Weltkrieg eine Kapelle, die dem heiligen Wendelin geweiht wurde. Kirchenpolitisch gehört Wirnsweiler zur Pfarrgemeinde Bolstern. So viel belegte historische Vergangenheit ist es wert, gefeiert zu werden.

Am Sonntag beginnt das Fest im Zelt um 11 Uhr mit einem Feldgottesdienst, der vom Liederkranz Bolstern mitgestaltet wird und einer Gedenkfeier, bei der ein Vertreter des Kreisarchives die lange Geschichte des Weilers aufzeigen wird.

Bei Musik - es spielt eine bayerische Drei-Mann-Kapelle - wird von der Dorfbrunnengemeinschaft Tafertsweiler ein reichhaltiger Mittagstisch und anschließend Kaffee und Kuchen angeboten. Gertrude Rößler wird ihr Museum für bäuerliche Kunst und Kultur rund um das Pferd präsentieren. Alte Handwerkskunst wird fachmännisch vorgeführt. Gezeigt wird daneben ein von den Wirnsweiler Kindern gefertigtes Modell der Siedlung.

Ganztägiges Ponyreiten und Kutschfahrten sowie eine Wanderung entlang der Exklavengrenzen geführt von Ludwig Sautter um 14 Uhr stehen außerdem auf dem Programm. Videovorführungen über das Thema "Pferd als Partner" runden nachmittags das Programm ab. Auch für Kinder ist einiges geboten. Ein großer Spielplatz und Tiere auf dem Hof zum Anfassen werden die Kleinen begeistern. Beim Ballonwettbewerb erwarten die Gewinner tolle Preise. Insgesamt ein bäuerliches Fest der etwas anderen, stilleren Art, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

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