Nach 13 Jahren Eröffnung des Architekturmuseums in Paris

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Nach 13-jährigem Hin und Her hat in Paris das rund 20 000 Quadratmeter große Museum und Zentrum für Architektur und historische Monumente im Palais de Chaillot eröffnet. Die Cité de l'architecture et du patrimoine, wie der neue Kunsttempel heißt, vereint originalgetreue Abgüsse einzigartiger französischer Monumente, prächtige Deckenmalereien sowie Architekturmodelle bekannter Gebäude.

Die Sammlungen, die vom 12. Jahrhundert bis heute reichen, finden ihren Platz unter einer herrlichen Glas- und Metallkonstruktion, deren riesige Fenster den Blick frei geben auf den Eiffelturm und die Seine - ein architektonischer Dialog zwischen Alt und Neu.

Die rund 80 Millionen Euro teuren Umbauarbeiten wurden von dem Architekten Jean-François Bodin geleitet. Zunächst legte Bodin, der zusammen mit Renzo Piano auch das Pariser Centre Georges Pompidou renoviert hat, die ehemalige Metall- und Glasstruktur des Daches frei und die acht Kapitellsäulen des Eingangsbereiches, die 1937 zubetoniert wurden. Dann öffnete er das zweite Stockwerk des mächtigen Flügels des Palais Chaillot der zeitgenössischen Architektur und integrierte die größte frei zugängliche Bibliothek für Architektur mit ungefähr 45 000 Bänden. Besonders originell ist der Arbeitsplatzbereich unter dem originalgetreuen, rund 10 Meter langen, mit romanischen Freskenmalereien verzierte Deckengewölbe der Abteikirche Saint-Savin in Westfrankreich.

Herzstück der Cité de l'architecture et du patrimoine, zu der das Französische Institut für Architektur gehört, ist die Sammlung des früheren Museums für französische Monumente, die vom 12. bis zum 16. Jahrhundert reicht. Gleich zu Beginn wird der Besucher durch ein riesiges Kirchenportal geführt - die originalgetreue Kopie des Eingangstors der Kirche Saint-Pierre in Carennac (Zentralfrankreich)- oder vorbei an prächtigen Giebel- und Säulenskulpturen bedeutender Kirchen und Kathedralen wie die in Chartres, Reims, Straßburg und Paris. Unter der knapp 10 Meter hohen Galerie kommen die Abgüsse und Kopien besonders zu Wirkung. Sehr schön ist der ständige Blick nach draußen auf den Eiffelturm und die Hausmannien-Häuser aus dem 19. Jahrhundert.

Dieser Galerie, in der 350 Abgüsse zu sehen sind, schließt sich im dritten Stockwerk die „Galerie der Gemälde“ an, die in ein ganz anderes Universum führt. In nischen- und grottenähnlichen Räumen entdeckt man herrliche Deckenmalereien wie die aus der Kapelle von Grézille (Westfrankreich) oder der spätgotischen Kirche von Kernascleden in der Bretagne. „Die hier gezeigten Kopien sind oft in einem besseren Zustand als die Originale“, erklärte einer der Verantwortlichen des Museums.

Die zeitgenössische Architektur wird mit Entwürfen bekannter Gebäude wie dem Centre Georges Pompidou präsentiert oder der Rekonstruktion einer typischen 3-Zimmer-Sozialwohnung, entworfen von dem Architekten und Vordenker des modernen Städtebaus, Le Corbusier. „Wir wollen das Publikum durch klassische Monumente anlocken und seine Neugierde durch Zeitgenössisches wecken“, erklärte François de Mazières, der Präsident des Zentrums.

www.citechaillot.fr

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