Auf seine Schlagfertigkeit ist Verlass: Willy Astor bewährt sich als Wortakrobat

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LINDAU - In bewährter Manier ist es Willy Astor gelungen, sein Publikum zwei Stunden lang nicht nur zu unterhalten, sondern im Minutenabstand zum Lachen zu bringen. Das Stadttheater war bis zum letzten Platz gefüllt.

Im Grunde basiert Willy Astors Unterhaltungskonzept auf diesen drei sicheren Säulen: Er fischt sich ein paar Leute aus dem Publikum heraus, die er zuverlässig und schlagfertig in sein Programm einbindet, balanciert sodann geschickt mit seinen Lieblingsdialekten made in Hessen, Franken, Berlin und Vorarlberg und spürt insbesondere die wunderbaren Wortspiele auf, die sich mit der deutschen Sprache arrangieren lassen. Garniert wird das Ganze mit Astors beachtlichem Gitarrenspiel.

Für ihn selbst wird der eigentliche Reiz wohl im zeitlichen Abstand liegen, den seine Zuhörer für das Erkennen besonders verquerer Wortschöpfungen brauchen, während diese ihrerseits Spaß daran haben, eine möglichst hohe und schnelle Erkennungsquote zu erzielen. Es ist vermutlich die gesunde Mischung, die Willy Astor in seiner 20-jährigen Bühnenlaufbahn gefunden hat, um sowohl die trivialen Wortspiele als auch die wahren Geistesblitze wirksam in Szene zu setzen, ohne dabei Ermüdungserscheinungen im Saal befürchten zu müssen.

"Wortstudio" heißt sein aktuelles Programm. Wie prächtig dies ausgestattet sein muss, lässt sich etwa an den beiden herrlichen Geschichten ablesen, die er zum einen aus 161 (!) Filmtiteln, zum anderen aus zahllosen Alkoholika zusammengebastelt hat.

Endlich konnte man erfahren, dass Hits wie "Angie" oder "Super Trouper", "Volare" oder "Killing Me Softly" aus seiner Feder stammen - selbst James Brown hat sich einer Jugendkomposition bedient, die Astor einst aufgrund einer unglücklichen Notenhäufung im Zeugnis geschrieben hat: "i bin a Sechs-Maschin". Das Hinreißende an diesem Programmteil war, wie er sprachlich auf den jeweiligen Evergreen zusteuerte, ehe sich - fast überraschend - die jeweilige Melodie entfalten konnte.

Geschmacksfrage stellt sich doch

Es war dem Wortakrobat anzumerken, wie wohl er sich im Stadttheater fühlte - keine Frage, dass auch dessen Bezeichnung im Laufe des Abends manche Wandlung vom "Staatstheater" bis zum "Staatszirkus" über sich ergehen lassen musste: Dem Publikum hat's gefallen. Schließlich musste "She's Got the Blues" seine Verwandlung in "Schiß-Katzen-Blues" ebenso aushalten wie Alexandras "Zigeunerjunge" die makabre "Zigeunerlunge."

Zum Abschluss hat sich Willy Astor entschlossen, den Abend mit einem hübschen, allerdings ziemlich esoterisch anmutenden Gitarrenstück zu beenden, entsprechende Saalillumination eingeschlossen. In diesem Moment hat sich dann die Geschmacksfrage doch noch gestellt - während man sie die beiden Stunden zuvor weitgehend vergessen konnte.

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