Ziegelhoflinde ist "national bedeutsam"

Lesedauer: 6 Min

Gleich zwei national bedeutsame Bäume befinden sich nach Angaben des Deutschen Baumarchivs in Gießen auf der Gemarkung der Großen Kreisstadt Ehingen. Das Archiv hat nach rund zehnjähriger Arbeit die bisher größte Bestandsaufnahme bedeutender Bäume in der Bundesrepublik abgeschlossen.

Im Alb-Donau-Kreis sind insgesamt fünf Bäume von nationaler Bedeutung ermittelt worden: drei mächtige Hutebuchen, darunter die "Hungerbergbuche" bei Frankenhofen, sowie zwei Linden, darunter die bekannte Ziegelhoflinde bei Ehingen. Alle fünf sind in die Liste "National Bedeutsamer Bäume" (NBB) aufgenommen worden.

Als möglichst objektives Vergleichskriterium zur Klassifizierung der Bäume hat das Deutsche Baum-archiv den Stammumfang der Bäume in einem Meter Höhe über dem Boden gewählt, wobei für alle heimischen und die viele exotische Laub- und Nadelbaumarten an die Biologie der Bäume angepasste Stammumfangskategorien gebildet wurden. Insgesamt vier Umfangskategorien wurden für die stärksten Exemplare der deutschen Baumwelt gebildet.

Rund 450 Jahre alt

Im Alb-Donau-Kreis sind aktuell fünf Bäume bekannt, die den hohen Anforderungen an den Stammumfang gerecht werden. Das ist aus Sicht des Deutschen Baumarchivs erfreulich, denn nicht in allen der rund 440 deutschen Landkreise und kreisfreien Städte sind Bäume dieser Größenordnung überhaupt zu finden. Zu diesen besonderen Bäumen gehört die bekannte Ziegelhoflinde bei Ehingen, die bereits im "Schwäbischen Baumbuch" von 1911 ausführlich beschrieben wird. Forstassessor Otto Feucht, Autor des Bildbands, war von der Linde damals so angetan, dass er ausnahmsweise zwei Fotografien des Baums veröffentlichte. Damals besaß die Ziegelhoflinde einen Stammumfang von 8,45 Meter. Heute sind es 9,45 Meter. Ein Alter von 450 Jahren und mehr lässt sich daraus ableiten. Nach einigen Jahren der Schwäche hat sich der Baum nach neuesten Angaben wieder erholt.

Baum in Frankenhofen dabei

Weniger bekannt sind zwei Hutebuchen, die auf Anfrage von der hiesigen Unteren Naturschutzbehörde mitgeteilt wurden: die "Hungerbergbuche" bei Frankenhofen, die mit sieben Meter Stammumfang angegeben wird, und die Hutebuche bei Scharen-stetten, deren typisch verwachsener Stamm laut Naturdenkmalbuch 8,10 Meter Umfang erreicht.

Die Walkstetter Linde bei Bernstadt gehört auch zu den ausgewählten Bäumen, obwohl ihr Stammumfang mit 7,12 Meter weit unterhalb vom Gardemaß für Linden liegt. Weil sie aber eine ehemalige Tanzlinde ist, dazu von grandiosem Wuchs mit zahlreichen tief hängenden Ästen, genügen statt der normalen neun Meter bereits 6,50 Meter Stammumfang.

Regional bekannt ist auch die mächtige Schinderwasenbuche bei Suppingen, deren Krone sich im Sommer wie eine belaubte Quellwolke auftürmt. Der dreikernige Stamm erreicht 7,16 Meter Stammumfang, das Alter dürfte bis zu 300 Jahren betragen.

Vorbilder für die nun erfolgte Katalogisierung waren die gut 100 Jahre zurückliegenden ersten Bestandsaufnahmen von Naturschutzpionieren wie Hugo Conwentz und Kollegen in den preußischen Provinzen Nord- und Mitteldeutschlands (1900-1907). Aber auch die privaten Sammlungen von Baumliebhabern wie Friedrich Stützer, Ludwig Klein und Otto Feucht im süddeutschen Raum (1900-1905, 1908, 1911).

Auch Internet dient zur Recherche

Nicht nur historische und aktuelle Literatur über alte Bäume wurden in die jetzige Studie mit einbezogen, sondern auch moderne Internetquellen. Zuletzt wurde eine flächendeckende Befragung der Unteren Naturschutzbehörden in den rund 440 Landkreisen und kreisfreien Städten der Bundesrepublik vorgenommen. Langjährige Eigenrecherchen und mehr als 60 großangelegte Baumexkursionen vor Ort runden die Bestandsaufnahme ab. Gut 500 Spitzenbäume konnten auf diese Weise ermittelt werden. Etwa 80 Prozent der ermittelten Bäume wurden direkt vor Ort gesichtet, vermessen und fotografiert.

Für den Schutz der rund 500 national bedeutsamen Bäume wünscht sich das Archiv ein vermehrtes Augenmerk auf Langzeitmaßnahmen. Bäume wie Eiche und Linde, Ulme und Ahorn, Tanne und Eibe können gut und gerne drei bis fünf Jahrhunderte überdauern. Ihre Pflege und Bewahrung über viele Menschengenerationen hinweg bedarf deshalb eines langen Atems und bewusster Kontinuität. Die aktuellen Empfehlungen des Deutschen Baumarchivs zum Naturdenkmalschutz gehen deshalb über den jetzigen Status Quo hinaus.

Kommentare werden geladen