Der Verband will, dass der SSV Ulm in der Verbandsliga spielt

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ULM (jtw) - Wohin führt der Weg der Fußballer beim SSV Ulm 1846? Vor einem Jahr spielte der Klub noch gegen den FC Bayern München. In der kommenden Saison, die im August beginnt, könnte der Ex-Bundesligist Gast des FV 08 Rottweil sein.

Realistisch ist: Die erste Mannschaft spielt in der Oberliga Baden-Württemberg, die zweite in der Verbandsliga Württemberg. Erich Steer, Manager und Abteilungsleiter des Groß-Vereins, sagt klar: "Wir haben das Recht, in der Oberliga und Verbandsliga anzutreten, das werden wir auch tun." Zudem soll die A-Jugend in die Regionalliga antreten.

Der Württembergische Fußball-Verbands sähe es wohl lieber, wenn die Ulmer von vornherein in der Verbandsliga antreten würden. Denn im Falle, dass das Insolvenzverfahren eröffnet wird, würde der SSV 46 sofort auf den letzten Platz der Oberliga zurückgesetzt und wäre der erste Absteiger in die Verbandsliga.

Träte der SSV 46 freiwillig in der Verbandsliga an, könnte der Verband auf diese Rückstufung verzichten. Allerdings hat das Ganze einen Schönheitsfehler. Die zweite Mannschaft der Ulmer müsste wieder ganz unten in der Kreisliga beginnen. Das hätte fatale Konsequenzen.

"Dann könnten wir unsere talentierten Jugendspieler nicht halten", sagt Steer. "Schließlich sollten wir auch unseren A-Jugendlichen nicht die Möglichkeit nehmen, in der Regionalliga aufzulaufen."

Also wäre folgendes Konstrukt denkbar: Der SSV 46 bestreitet mit einer Mannschaft die Oberliga und mit der zweiten die Verbandsliga. Die Verbandsliga-Mannschaft müsste so stark sein, dass sie den Aufstieg schaffen könnte. Dann würde sozusagen die "Zweite" den Platz der "Ersten" in der Oberliga einnehmen. Ein abenteuerlicher Plan?

"Nein", sagt Thomas Proksch vom WFV. "Wenn die Verbandsliga-Mannschaft sich sportlich für diese Liga qualifiziert, dann kann sie auch aufsteigen", so Proksch weiter, "das haben wir abgeklärt." Nicht möglich sei es, gleich in der Verbandsliga anzutreten und eine zweite Mannschaft in der Bezirks- oder Landesliga zu melden.

Einziges Problem für Ulm: Die Finanzierung. "Das wird letztendlich eine Entscheidung des Insolvenzverwalters und der Banken werden", sagt Erich Steer. Und natürlich der Bereitschaft von Sponsoren, sich zu engagieren. "In den nächsten Tagen werden wir an mögliche Geldgeber herangehen." Steer setzt da auch auf die Unterstützung des zurückgetretenen Spitzensport-Chefs Walter Feucht. "Auch wenn er aufgehört hat. Er hat mir versprochen, den Verein weiter zu unterstützen."

Was die entsprechenden Trainer für die Teams angeht, hat sich Steer noch nicht festgelegt. Sicher ist, dass Dieter Märkle die Regionalliga-A-Jugend trainieren soll. Harry Brobeil ist der Mann für die Verbandsliga-Mannschaft. Und die Oberliga-Truppe?

"Das muss man sehen. Sicher ist, dass wir keine Kirmestruppe in die Oberliga schicken. Ein Verein wie der SSV 46 muss sich immer gut verkaufen", sagt Steer, der noch nicht amtsmüde ist.

"Gut möglich, dass ich mich nicht zur Wiederwahl stelle. Aber ich werde nicht vorzeitig den Bettel hinschmeißen", so Steer. "Wenn jetzt alle abhauen, dann macht keiner die Arbeit mehr. Natürlich ist die Situation nicht lustig, Aber ich will helfen, den Karren aus dem Dreck zu ziehen."

Dazu gehören auch Gespräche mit Spielern. Die Hoffnungen, Torhüter Holger Betz halten zu können, scheinen sich zu zerschlagen: Betz absolvierte ein Probetraining bei Hannover 96, wo neuerdings der Ex-Ulmer Ralf Rangnick arbeitet. Der in Stuttgart gescheiterte Fußball-Professor hat Interesse an Betz, der auch mit der SpVgg Elversberg verhandelt. Die anderen Spieler, die für die Regionalliga unter Vertrag standen, hätten zum Großteil noch keine Vereine. "Vielleicht bleibt da der eine oder andere", so Steer. Aber: "Es muss finanzierbar sein."

Einen interessiert das nicht mehr: Dragan Trkulja wird gehen. "Ich habe gewartet und gewartet, aber niemand vom Verein hat mit mir gesprochen", ist er mit der Geduld am Ende.

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