Ein Original verlässt Meßkirch für immer

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Wer Karl Georg Sauter, liebevoll Charly genannt, gekannt hat, dem ist als erstes sein frohes Lachen aufgefallen. Am vergangenen Donnerstag, dem Todestag des Heiligen Heimrad, dessen Geburt in Meßkirch Charly Sauter vor 40 Jahren in Urkunden entdeckte, ist er nach kurzer Krankheit im Alter von 85 Jahren gestorben.

Dichten, ob in Mund- oder Schriftart, Heimatforschung und Fasnachtsbrauchtum waren die Leidenschaften des Meßkircher Optiker- und Uhrmachermeisters. Am 24. Februar feierte er noch im Kreise seiner Familie seinen 85.Geburtstag, fröhlich – wenn auch aufgrund seiner eingeschränkten Mobilität etwas verhaltener. Noch bei der vergangenen Fasnet und dem großen Narrentreffen war er, soweit es seine Gesundheit erlaubte, dabei, und als ehemaliger Zermonienmeister, Altnarrenvater und langjähriges Ehrenmitglied bei offiziellen Anlässen der Meßkircher Katzenzunft stets ein gern gesehener Ehrengast. Auch den Narren im Hegau fühlte er sich verbunden. Dort gehörte er dem so genannten Langensteiner-Kreis an, der ihm 1996 ob seiner „Alefänzigkeit“ den seltenen "Alefanz-Orden" verlieh.

Aber auch als Heimatdichter machte sich Charly Sauter über die Grenzen Meßkirchs hinaus einen Namen. Obwohl er schon in jungen Jahren damit anfing, hat er lange Jahre nichts veröffentlicht. Nur seine Fasnachtsgedichte wurden immer wieder stückweise im Narrenblatt der Meßkircher Katzenzunft abgedruckt. Erst 1978 erschien „Uffm Wäeg“, sein erster Gedichtband . Aus diesem Werk schöpft seither die Katzenzunft alljährlich ihre Mundartgedichte für den Fasnachtsablauf. Erst in neuester Zeit haben mit der Herausgabe von „Uffm Wäeg 2“ sein Sohn und seine Töchter weitere zwischen 1980 und 1995 entstandene Gedichte ihres Vaters der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Charly Sauter zählte zu den bedeutendsten Heimatforschern in der Raumschaft. Er war es, der Anfang der 1960-er Jahre in alten Urkunden feststellte, dass der Heilige Heimrad, ein Priester, im Jahr 965 in Meßkirch geboren wurde. Er setzte sich deshalb auch dafür ein, dass die Meßkircher Sozialstation nach dem Heiligen benannt wurde.

1941, nach seiner Uhrmacherausbildung wurde Charly Sauter in die Wehrmacht eingezogen und kam im August 1945 aus dem Krieg zurück. Danach setzte er seine berufliche Ausbildung in Berlin fort bevor er 1964 nach Meßkirch zurückkam und das elterliche Geschäfts - damals noch mit einem Fischladen – in der Museumsstraße übernahm. Vor zehn Jahren hat er das heutige Optik-Uhren-Schmuckgeschäft seinen Sohn übergeben.

Seiner Familie wendet sich das ganze Mitgefühl der Meßkircher zu. Morgen um 14 Uhr wird Charly Sauter auf dem Meßkircher Friedhof beigesetzt.

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