Sichtweisen auf die Heimat gewinnen

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"Nothing to declare - nichts zu deklarieren": So überschreibt das Kuratorenteam Barnaby Drabble, Dorothee Messmer und Sibylle Omlin sein Konzept für die 4. Triennale "Zeitgenössische Kunst Oberschwaben". Vom 3. April bis 23. Juni 2008 führt die Ausstellung regionale und internationale Kunst in Friedrichshafen zusammen.

Dependancen sind in Bregenz und Kreuzlingen vorgesehen. Doch eigentlich beginnt die Triennale 2008 bereits am 25. Oktober 2007: Begleitend zur Kunstausstellung, bereiten die Künstler Ulrike Shepherd, Christof Salzmann und Ruediger John "INDEX" vor, "ein künstlerisches Archivprojekt zur Triennale". Zudem wird eine "Lounge" im Medienhaus k42 als ein Ort der Begegnung und der Auseinandersetzung eingerichtet. Friedrichshafen wird das Zentrum der Ausstellung, die sich mit in dieser Region naheliegenden Fragen nach Grenzgängen und -überschreitungen, nach Identität, nach Schranken und Durchgängen, nach neuen Perspektiven auf das Vertraute beschäftigt. Künstler aus der Region, aber auch aus ganz Deutschland und dem Ausland, leisten ihre Beiträge zur Suche nach der Identität einer Stadt und einer Region. Mit dem Blick von außen schauen sie auf das Dreiländereck. Einheimische und ihre Gäste sollen überraschende, neue, vertiefte, bislang verdeckte Sichtweisen auf ihre Heimat gewinnen.

Neue Orte für die Kunst

Die Kuratoren laden rund 30 Künstler aus Oberschwaben, aus der ganzen Bundesrepublik und dem Ausland ein, ihren Blick auf die Region künstlerisch zu formulieren. So stehen als Teilnehmer unter anderem der in Friedrichshafen geborene, in Tettnang lebende Künstler Thom Barth und der 1965 in Friedrichshafen geborene und in Berlin lebende Martin Dammann fest. In Dänemark und Österreich lebt Sophie Thorsen (1971), die mit ihren Arbeiten stets auf die Umgebung reagiert. Chantal Michel wurde 1968 in Bern geboren und ist als Medien- und Performancekünstlerin bekannt. Die international agierende Beth Derbyshire wurde 1971 in Großbritannien geboren. Der Schwede Per Hüttner, Jahrgang 1967, der in Paris lebt, stellt seine Fotografien aus, die das Thema Internationalität aufgreifen. Da die Kuratoren die grenzübergreifende Region ins Zentrum der Ausstellung rücken, haben sie "Satelliten" als Mitstreiter eingeladen: Im Kunstverein Friedrichshafen, im gesamten Palais Thurn und Taxis in Bregenz und im Kunstraum Kreuzlingen finden parallel Ausstellungen statt, die in direktem Zusammenhang zur Triennale und ihrem Motto "Nothing to declare" stehen. Außerdem öffnet die Triennale neue Orte für die Kunst: So wird nicht nur das Zeppelin Museum zum zentralen Ausstellungs- und Anlaufpunkt, sondern zum Beispiel auch das Kellergewölbe unter der Schlosskirche, ein Parkhaus, eine Büroetage im Stadtgebiet, eventuell auch eine Kirche oder die Schalterhalle der Sparkasse Bodensee. Für das Archivprojekt "INDEX" haben Ulrike Shepherd, Ruediger John und Christof Salzmann bereits begonnen, Material zu sammeln, das im Bezug zur historischen, kulturellen und gesellschaftlichen Situation in Friedrichshafen und der Bodenseeregion steht. Sie wollen eine Art Biografie der Stadt und der Region gewinnen, in der sich Ereignisse, Brüche und unterschiedliche Zeitebenen spiegeln.

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