Welckers Passion wirkt wie die großen

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Im Vergleich zu den großen Passionen, etwa von Johann Sebastian Bach, nimmt sich die von Max Welcker geschaffene Johannes-Passion im Hinblick auf die Besetzung zwar bescheiden aus, nicht aber, wie in Neu-Ulms Stadtpfarrkirche St. Johann Baptist zu erleben war, was seine Wirkung betrifft.

Dort wurde unter der Gesamtleitung von Joseph Kelemen die Leidensgeschichte Jesu nach dem Evangelisten Johannes, im Wortlaut gekürzt, nunmehr a capella vom Chor der Kirche St. Johann Baptist Neu-Ulm im Rahmen der Karfreitagliturgie aufgeführt.

Die Textbearbeitung stammt von M. Xaveria Gessel. "Mit Verwendung von Choralmelodien nach der Editio Vaticana komponiert für Choralstimmen und Chor (ad lib.) von Max Welcker op. 139", wie es am Titelblatt der Notenvorlage heißt.

Max Welcker lebte um die Jahrhundertwende , genaue Lebensdaten liegen nicht vor. Der Sohn Krumbachs (Schwaben) hat vorwiegend Kirchenmusik geschrieben. Die Erzählungen des Evangelisten (hier textverständlich und klar interpretiert von Gottfried Weber, Tenor) werden von den - zuweilen dramatischen --Einwürfen des Chores unterbrochen. Jesus wurde von Joachim Pieczyk, Bass, tief bewegend vorgeführt. Succentor (Sammelstimmen) war Ulrich Hoffmann, Tenor.

Drei Passionsmotetten

Der gut vorbereitete, engagiert sich einbringende Chor sang zudem drei Passionsmotetten. Palestrinas "O crux ave" (O Heiliges Kreuz, sei gegrüßt) geht mit seiner feinen Polyphonie textlich direkt auf die Geschehnisse des Karfreitags ein. Und auch Tomás Luis de Victorias sehr expressiv angelegte Motette "Popule meus" (O mein Volk), man nennt ihn auch Spaniens Palestrina, passte zum Karfreitag (O mein Volk, was habe ich dir angetan? Womit verdiene ich das?).

Die dritte Motette stammte vom Theoretiker und Komponisten Ernst Friedrich Richter (1808 - 1879), ab 1868 Thomaskantor in Leipzig, also gleichsam ein Bach-Nachfolger. Eine Vertonung von Psalm 22 ist seine Motette "Mein Gott, warum hast du mich verlassen". Sie ist von der Anlage her sehr dramatisch, mit großen dynamischen Ausbrüchen. So wie der Beginn mündet der Schluss in ein traurig anmutenden Pianissimo.

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